Die Frau, die ich werde: Gedichtkarten für jeden Neuanfang

Kernstück · Gedichtkarten zum Nachspüren · Teil 3 von 4

Irgendwann habe ich aufgehört zu glauben, dass man irgendwann „fertig“ ist. Mit zwanzig dachte ich, mit dreißig wüsste ich, wer ich bin. Mit dreißig dachte ich das von vierzig. Heute weiß ich: Werden hört nicht auf. Und das ist eigentlich eine gute Nachricht.

24 Schritte des Werdens

Die Frau, die ich werde ist die dritte Kollektion. Nach der Kraft und den Schatten geht es hier ums Wachsen: um den Raum, den wir uns nehmen. Das erste Nein. Den Mut. Die zweite Lebenshälfte. Silberfäden im Haar. Loslassen. Ruhe. Den Körper als Zuhause. Freude ohne Erlaubnis. Wurzeln und Flügel.

Jahrelang faltete ich mich
in Ecken,
die nie dafür gedacht waren,
eine ganze Frau zu halten.
Jetzt lasse ich die Fenster offen.
Ich lasse das Wetter herein.
Und wenn meine Gegenwart
die Form des Raumes verändert,
war der Raum vielleicht
bereit, sich zu verändern.

Der Raum, den ich einnehme

Zwei Gedichte dieser Kollektion waren zuerst da: „Der Raum, den ich einnehme“ und „Die Frau im Spiegel“. Aus ihnen ist die ganze Reihe gewachsen.

Die Frau, die ich werde – Complete Deck, Titelseite
Das Complete Deck „Die Frau, die ich werde“ – alle 24 Motive in einer Datei.

Morgenlicht statt Dunkelheit

Nach den dunklen Farben der ersten beiden Kollektionen wollte ich hier Licht. Die Karten sind cremefarben, im Bogen jeder Bildkarte geht ein kleines Morgenlicht auf – in Salbei und Lavendel, im Wechsel. Die Motive sind feine Linien: ein offenes Fenster, ein Gartentor mit Gras im Wind, eine Pusteblume, ein Weg über den Hügel.

Als ich zum ersten Mal Nein sagte,
zitterte meine Stimme
wie Gras im Wind.
Ich wartete darauf, dass der Himmel einstürzt,
dass die Liebe geht,
dass mich jemand fragt,
für wen ich mich eigentlich halte.
Nichts stürzte ein.
Jemand war enttäuscht.
Jemand blieb.
Und ich entdeckte
einen stillen Raum in mir,
der auf dieses eine kleine Wort
gewartet hatte,
um die Tür
von innen zu verschließen.

Das erste Nein
Die Frau, die ich werde – Seite aus dem Complete Deck
Ein Blick ins Deck: Willkommen, Druck-Tipps und wie du mit den Karten arbeitest.

So kannst du mit den Karten arbeiten

  • Tageskarte: Zieh eine Bildkarte und frag dich, wo dieser Schritt heute Platz in deinem Leben hat.
  • Schreiben: Lies das Gedicht, beantworte die Frage, schreib ohne abzusetzen.
  • Drei Karten: Wer ich war · Wer ich gerade bin · Wer ich werde.

Wie die Kollektion entstanden ist

Diese Kollektion ist am leichtesten geworden, und das war Absicht. Nach den Schatten brauchte die Reise Licht. Ich habe lange mit den Farben gerungen: Ein erster Entwurf in Grau mit Salbei sah aus wie eine Trauerkarte, und das passte überhaupt nicht zu einer Kollektion übers Werden. Erst mit Creme, Morgenlicht, Salbei und Lavendel hat es sich richtig angefühlt.

Auch bei den Motiven gab es Umwege. Für „Loslassen“ war zuerst eine offene Hand mit einer Feder geplant. Am Ende ist es eine Pusteblume geworden, deren Schirmchen in Gold davonfliegen. Für „Das erste Nein“ gibt es ein Gartentor, vor dem das Gras im Wind liegt – so wie die Stimme beim ersten Nein zittert und trotzdem nicht bricht. Alle 24 Gedichte gibt es auch hier auf Deutsch, Englisch und Französisch.

Alle 24 Schritte im Überblick

Damit du einen Eindruck bekommst, hier alle 24 Motive von Die Frau, die ich werde mit der Botschaft, die auf ihrer Bildkarte steht:

  1. Der Raum, den ich einnehme: Ich bin nicht zu viel. Vielleicht war der Raum zu klein.
  2. Die Frau im Spiegel: Die Frau, die ich werde, wartet schon auf mich.
  3. Neu beginnen: Es ist nie zu spät, neu zu beginnen. Mein bisheriges Leben ist keine Last, sondern ein Fundament.
  4. Das erste Nein: Mein Nein ist keine Ablehnung der anderen. Es ist ein Ja zu mir selbst.
  5. Mut: Ich muss nicht furchtlos sein, um mutig zu sein. Ein kleiner Schritt genügt.
  6. Selbstachtung: Ich behandle mich so, wie ich behandelt werden möchte. Dort beginnt Achtung.
  7. Die zweite Hälfte: Meine besten Jahre liegen nicht hinter mir. Es sind die, die ich ganz lebe.
  8. Silberfäden: Älterwerden ist kein Verlust. Es ist die sichtbare Geschichte von allem, was ich gelebt habe.
  9. Loslassen: Was ich loslasse, macht Platz für das, was zu mir kommen will.
  10. Der unvollendete Traum: Mein Traum braucht keine perfekten Umstände. Er braucht meine Zeit.
  11. Mich selbst wählen: Mich selbst zu wählen ist nicht egoistisch. Es ist der Anfang ehrlicher Liebe.
  12. Ruhe: Ich muss mir meine Ruhe nicht verdienen. Sie gehört mir.
  13. Mein Körper, mein Zuhause: Mein Körper ist kein Projekt. Er ist mein Zuhause und verdient Freundlichkeit.
  14. Gehen: Ich darf gehen, wenn etwas nicht mehr zu mir passt, mit Dankbarkeit und ohne Schuld.
  15. Die Stimme, die ich fand: Meine Stimme zählt. Was ich zu sagen habe, verdient es, gehört zu werden.
  16. Gewähltes Alleinsein: Zeit allein mit mir ist kein Mangel. Sie ist ein Geschenk, das ich mir mache.
  17. Mehr wollen: Ich darf dankbar sein und trotzdem mehr wollen. Beides lebt in mir.
  18. Mir selbst vergeben: Ich habe mein Bestes gegeben mit dem, was ich damals wusste. Ich darf mir vergeben.
  19. Wandel: Veränderung darf wehtun und trotzdem gut sein. Ich darf trauern und gleichzeitig wachsen.
  20. Die Weisheit der Jahre: Meine Erfahrung ist ein Schatz. Ich muss mich nicht jünger machen, um wertvoll zu sein.
  21. Freude ohne Erlaubnis: Meine Freude braucht keine Rechtfertigung. Ich darf laut glücklich sein.
  22. Wurzeln und Flügel: Ich darf ehren, woher ich komme, und trotzdem meinen eigenen Weg gehen.
  23. Mein eigener Weg: Ich brauche keine Landkarte, die andere gezeichnet haben. Mein Weg entsteht, während ich ihn gehe.
  24. Werden: Ich muss nicht fertig sein, um ganz zu sein. Ich werde, und das genügt.

Zwei weitere Gedichte aus der Kollektion

Ich hielt so fest,
dass meine Hände vergaßen,
dass sie für mehr gemacht waren
als fürs Festhalten.
Am Plan.
Am Menschen.
An der Version von mir,
die einmal Sinn ergab.
Loslassen war kein einzelner Moment.
Es waren hundert kleine Morgen,
an denen ich die Finger
ein wenig weiter öffnete,
bis eines Tages
etwas Leichtes
in meiner offenen Hand landete
und blieb.

Loslassen

Früher bat ich um Erlaubnis für Freude,
als müsste Glück
verdient werden, erklärt,
klein genug gehalten,
um niemanden zu kränken.
Ich lachte mit der Hand vor dem Mund.
Ich tanzte nur, wenn niemand zusah.
Heute darf sie laut sein.
Ich kaufe Blumen ohne Anlass.
Ich singe im Auto bei offenem Fenster.
Freude braucht keinen Grund.
Sie braucht eine offene Tür
und eine Frau,
die sich nicht mehr dafür entschuldigt,
froh zu sein.

Freude ohne Erlaubnis

Für wen sind die Karten?

Die Karten sind für jede, die gerade an einer Schwelle steht: nach einer Trennung, vor einem Umzug, mit dem ersten grauen Haar, beim Auszug der Kinder, beim Neustart im Beruf, nach einer Krankheit. Und für die, bei denen von außen alles gleich aussieht, sich innen aber etwas verschiebt.

Besonders oft habe ich beim Schreiben an Frauen in der zweiten Lebenshälfte gedacht – an die, denen man einredet, das Interessante sei vorbei. Ich glaube das Gegenteil. Aber die Karten sind für jedes Alter, denn Werden hat kein Verfallsdatum.

Sechs Ideen für den Alltag

  • Zieh an deinem Geburtstag eine Karte als Leitstern für das neue Lebensjahr.
  • Stell die Karte „Das erste Nein“ dorthin, wo du sie siehst, wenn du dich wieder zu schnell verpflichtest.
  • Schreib in jede Woche einen „nächsten kleinen Schritt“ und hak ihn ab, wenn du ihn gegangen bist.
  • Leg dir die Karte „Ruhe“ aufs Kopfkissen an Tagen, an denen du dir keine Pause erlaubst.
  • Lies das Gedicht „Silberfäden“ laut, wenn du in den Spiegel schaust.
  • Mach mit einer Freundin einen Werde-Abend: Jede zieht eine Karte und erzählt, wo sie gerade steht.

Fünf Fragen zum Weiterschreiben

Jede Reflexionskarte endet mit einer Frage. Hier sind fünf davon – vielleicht magst du eine gleich heute beantworten:

  • Was würde ich morgen beginnen, wenn ich aufhörte zu glauben, es sei zu spät?
  • Wovon soll die zweite Hälfte meines Lebens handeln?
  • Welches Versprechen an mich selbst möchte ich diese Woche halten?
  • Was entdecke ich über mich, wenn keine fremde Meinung im Raum ist?
  • Welcher Teil meines Lebens folgt noch einer Landkarte, die jemand anderes für mich gezeichnet hat?
Die Frau, die ich werde – Seite aus dem Journal
Aus dem Journal: Platz für deine eigenen Antworten.

So werden die Karten schön

Am schönsten werden die Karten auf festem, mattem Papier mit 250 bis 300 g/m². Drucke die Bögen in Originalgröße (100 %, nicht „an Seite anpassen“) und schneide entlang der Schnittmarken. Jede Karte misst 70 × 120 mm, also etwas schmaler als eine Postkarte und gut in der Hand. Für Kartenrückseiten druckst du den Rückseitenbogen auf die Rückseite der Kartenbögen; bei vielen Druckern hilft es, vorher einen Probebogen auf normalem Papier zu machen.

Wer keinen guten Drucker hat, gibt die einzelnen JPG-Dateien (300 dpi) einfach im Copyshop oder bei einem Fotodienst ab. Das Journal druckt sich in A4 oder verkleinert in A5, zwei Seiten auf einem Blatt. Du kannst es auch digital ausfüllen, zum Beispiel auf dem Tablet in GoodNotes.

Zum Ausdrucken

Im Journal gibt es auf jeder Schreibseite einen kleinen Kasten für meinen nächsten kleinen Schritt. Denn Werden passiert selten in großen Sprüngen.

Die Frau, die ich werde – Deck und Journal im Paket
Deck und Journal zusammen im Paket.

Häufige Fragen

Bekomme ich gedruckte Karten nach Hause?

Nein, es handelt sich um einen digitalen Download. Nach dem Kauf lädst du die Dateien sofort herunter und druckst sie selbst oder im Copyshop. Es wird nichts verschickt.

Wie oft darf ich die Karten ausdrucken?

So oft du möchtest – für dich selbst. Wenn eine Karte kaputtgeht oder du ein zweites Set für die Handtasche willst, druckst du sie einfach neu. Weitergeben oder verkaufen darfst du die Dateien nicht.

Brauche ich Deck und Journal?

Nein, beides funktioniert für sich. Das Deck ist zum Ziehen und Nachspüren, das Journal zum Schreiben. Zusammen ergänzen sie sich, deshalb gibt es sie auch als Paket.

Ist das ein Coaching-Programm?

Nein. Es sind Gedichte mit einer Botschaft und einer Frage. Sie können dich begleiten und anstoßen, aber sie ersetzen keine Beratung und keine Therapie.

Muss ich mit „Die Frau, die ich werde“ anfangen?

Nein. Die vier Kollektionen erzählen zusammen einen Weg – Kraft, Gefühle, Wachstum, Stimme –, aber jede steht für sich. Fang dort an, wo du gerade bist.

Die Reise in vier Kollektionen: Kraft (Die Frauen in uns) · Gefühle (Die Schatten, die wir tragen) · Wachstum (Die Frau, die ich werde) · Stimme (Briefe meines ungezähmten Selbst).

Die Karten sind Gedichte zum Nachspüren, kein Coaching und keine Therapie. Wenn es dir über längere Zeit schwer geht, hol dir bitte Unterstützung – bei Menschen, denen du vertraust, oder bei Fachleuten.

Kategorie KERNSTÜCK

Fidi ist die Stimme hinter DUNKELROT – einem kreativen Magazin für Poesie, Handmade und Gedankenräume. Sie schreibt über Bücher, die bleiben: selbst gelesen, ehrlich empfohlen.

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