Warum ein Garten glücklich macht: Über Pflanzen, Scheitern, Jahreszeiten und das gute Leben draußen

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Aquarell-Illustration mit Garten- und Kräutermotiven auf dunkelrot.de: Blätter, Blüten, Wurzelgemüse und eine stilisierte grün-beige Figur

Ein Garten ist ein bemerkenswert schlechter Ort für Menschen, die gern alles unter Kontrolle haben.

Man kann planen.

Man kann säen.

Man kann pflanzen.

Man kann düngen, schneiden, gießen, mulchen, stützen und sich ausgesprochen wichtige Gedanken darüber machen, ob diese eine Pflanze nun wirklich genau dort stehen sollte.

Und dann kommt eine Schnecke.

Oder drei Wochen Regen.

Oder drei Wochen überhaupt kein Regen.

Oder irgendein Tier entscheidet, dass ausgerechnet das liebevoll angelegte Beet offenbar ein ausgezeichnetes Frühstücksbuffet ist.

Der Garten nimmt menschliche Planung zur Kenntnis.

Und macht dann häufig etwas anderes.

Vielleicht liebe ich ihn genau deshalb.

Denn ein Garten ist kein Projekt, das irgendwann fertig ist.

Es gibt keinen Moment, an dem jemand den letzten Haken setzt und sagt:

So.

Garten erledigt.

Selbst wenn man das theoretisch versuchen würde, hätte spätestens am nächsten Morgen irgendwo etwas beschlossen, weiterzuwachsen.

Ein Garten verändert sich.

Ständig.

Über den Tag.

Über die Monate.

Über Jahre.

Manche Pflanzen verschwinden.

Andere tauchen plötzlich dort auf, wo niemand sie gepflanzt hat.

Ein Baum wird größer.

Eine Ecke, die jahrelang vollkommen uninteressant war, ist plötzlich wunderschön.

Und manchmal stirbt genau die Pflanze, für die man einen botanischen Betreuungsplan entwickelt hat, während irgendein Unkraut zwischen zwei Pflastersteinen offenbar beschlossen hat, unsterblich zu sein.

Das ist demütigend.

Und ziemlich gesund.

Ich schreibe auf Dunkelrot immer wieder über Gärten, Pflanzen und das Leben draußen.

Nicht, weil ich einen perfekten Garten hätte.

Perfekte Gärten interessieren mich vermutlich sogar weniger.

Mich interessieren lebendige Gärten.

Gärten, in denen etwas passiert.

In denen Tiere vorkommen.

In denen gegessen wird.

In denen Dinge schiefgehen.

In denen Jahreszeiten sichtbar werden.

Und in denen man manchmal einfach sitzt und gar nichts tut.

Letzteres ist übrigens eine vollkommen legitime Gartentätigkeit.

Vielleicht sogar eine der wichtigsten.

Warum Menschen überhaupt Gärten anlegen

Bunte Blumenkübel mit Rosen und einem pinken Schild „Garten GÖTTIN“ auf einer Gartenschau

Streng genommen ist ein Garten absurd.

Wir nehmen ein Stück Natur und beginnen, es zu organisieren.

Diese Pflanze darf bleiben.

Die da muss weg.

Hier soll etwas wachsen.

Dort bitte nicht.

Dann kaufen wir Pflanzen, tragen sie nach Hause, graben Löcher, setzen sie hinein und verbringen anschließend Monate damit, dafür zu sorgen, dass sie nicht sterben.

Menschen sind eigenartige Tiere.

Und trotzdem verstehe ich den Wunsch vollkommen.

Ein Garten ist ein Stück Welt, das man gestalten kann.

Nicht vollständig kontrollieren.

Aber beeinflussen.

Man kann Schatten schaffen.

Blüten.

Nahrung.

Rückzugsorte.

Für Menschen und Tiere.

Man kann beobachten, wie aus etwas Kleinem etwas Großes wird.

Das ist im Alltag gar nicht so selbstverständlich.

Viele Dinge, die wir tun, bleiben abstrakt.

E-Mails.

Formulare.

Dateien.

Termine.

Im Garten steckt man etwas in Erde.

Und Wochen später steht dort im besten Fall eine Pflanze.

Das ist erfreulich konkret.

Der Garten als Gegenwelt

Vielleicht brauchen wir Gärten heute sogar mehr als früher.

Nicht unbedingt große.

Ein Balkon kann reichen.

Eine Terrasse.

Ein Fensterbrett.

Ein paar Töpfe.

Denn unser Alltag findet zunehmend auf Bildschirmen statt.

Wir arbeiten digital.

Kommunizieren digital.

Kaufen digital.

Lesen Nachrichten digital.

Unterhalten uns digital.

Und irgendwann schaut man auf und stellt fest, dass man seit Stunden Dinge angefasst hat, die im Wesentlichen aus Glas, Kunststoff und Tastatur bestehen.

Eine Pflanze ist dagegen kompromisslos analog.

Sie lädt nicht.

Sie braucht kein Update.

Sie hat allerdings ebenfalls Fehlermeldungen.

Gelbe Blätter zum Beispiel.

Nur leider ohne verständlichen Fehlercode.

Trotzdem verändert es etwas, mit Pflanzen zu arbeiten.

Erde anfassen.

Wasser tragen.

Etwas zurückschneiden.

Blätter entfernen.

Das Ergebnis ist nicht immer sofort sichtbar.

Und vielleicht ist genau das angenehm.

Der Garten und die Jahreszeiten

Alte Steinbank um einen Baumstamm, umgeben von Glockenblumen im Frühling

Im Alltag kann man erstaunlich leicht vergessen, welche Jahreszeit eigentlich ist.

Supermärkte helfen dabei nicht unbedingt.

Erdbeeren im Winter.

Tulpen gefühlt kurz nach Weihnachten.

Irgendwo ist immer Sommer.

Ein Garten lässt sich davon weniger beeindrucken.

Er hat seinen eigenen Kalender.

Im Frühjahr passiert plötzlich überall etwas.

Kleine Spitzen kommen aus der Erde.

Knospen öffnen sich.

Und jedes Jahr ist es ein bisschen erstaunlich, obwohl man theoretisch weiß, wie Pflanzen funktionieren.

Im Sommer wird alles üppig.

Man gießt.

Schneidet.

Erntet vielleicht.

Und stellt fest, dass Grün verschiedene Formen von Größenwahn entwickeln kann.

Dann kommt der Herbst.

Samenstände.

Blätter.

Früchte.

Langsameres Licht.

Und irgendwann Winter.

Ruhe.

Zumindest scheinbar.

Ich mag diese Wiederholung.

Weil sie gleichzeitig vertraut und jedes Jahr anders ist.

Frühling: Dieses Jahr wird alles anders

Jeder Gartenmensch kennt vermutlich diesen Moment.

Frühjahr.

Die ersten schönen Tage.

Und plötzlich entstehen Pläne.

Dieses Jahr mache ich wirklich den Gemüsegarten.

Dieses Jahr ziehe ich Tomaten vor.

Dieses Jahr bekommt die eine Ecke endlich Struktur.

Dieses Jahr kaufe ich definitiv nicht wieder viel zu viele Pflanzen.

Der letzte Vorsatz besitzt ungefähr dieselbe Glaubwürdigkeit wie „Ich schaue nur kurz im Gartencenter“.

Natürlich kauft man etwas.

Vielleicht etwas vollkommen Ungeplantes.

Eine Pflanze, für die es eigentlich keinen Platz gibt.

Aber sie war nun einmal da.

Und offensichtlich konnte man sie nicht ihrem Schicksal überlassen.

So entstehen Gärten.

Nicht ausschließlich aus Planung.

Auch aus botanischen Fehlentscheidungen.

Sommer: Wenn der Garten plötzlich Arbeit wird

Bunte, üppig blühende Blumenbeete in einem Sommergarten

Im Frühling ist Garten romantisch.

Im Sommer kann er anstrengend werden.

Gießen.

Unkraut.

Verblühtes.

Rasen.

Gemüse.

Schädlinge.

Und wenn es heiß ist, möchte man möglicherweise überhaupt nichts tun.

Das ist ein wichtiger Punkt.

Ein Garten sollte nicht zu einem weiteren Vollzeitjob werden.

Es sei denn, genau das möchte man.

Ich finde die Vorstellung problematisch, ein Garten müsse permanent perfekt aussehen.

Warum?

Für wen?

Pflanzen dürfen wachsen.

Blätter dürfen irgendwo liegen.

Ein Beet darf wild aussehen.

Nicht jede Ecke braucht einen gestalterischen Masterplan.

Vielleicht ist ein guter Garten gerade der, in dem auch der Mensch noch vorkommt.

Nicht nur als unbezahlte Pflegekraft.

Herbst: Die schönste Form des Loslassens

Ich mag den Herbst im Garten.

Vielleicht weil man dann nicht mehr ständig das Gefühl hat, alles müsse noch werden.

Der Sommer ist vorbei.

Was gewachsen ist, ist gewachsen.

Was nicht funktioniert hat, funktioniert dieses Jahr eben nicht mehr.

Das hat etwas Entspannendes.

Man kann ernten.

Aufräumen.

Zwiebeln setzen.

Planen.

Aber man kann auch einfach zuschauen, wie sich der Garten verändert.

Und vielleicht lernen wir genau dort etwas, das Menschen ansonsten erstaunlich schwerfällt:

Nicht alles muss festgehalten werden.

Blätter fallen.

Blüten verschwinden.

Pflanzen ziehen ein.

Das ist kein Fehler.

Es gehört zum System.

Winter: Ein Garten muss nicht immer leisten

Im Winter sieht ein Garten anders aus.

Weniger spektakulär.

Zumindest auf den ersten Blick.

Aber gerade dann werden Strukturen sichtbar.

Äste.

Gräser.

Samenstände.

Rinde.

Und natürlich Tiere.

Vielleicht ist der Wintergarten auch eine gute Erinnerung daran, dass nicht jede Phase produktiv sein muss.

Das gilt möglicherweise sogar für Menschen.

Eine erschreckend radikale These.

Wir dürfen ruhen.

Nicht alles muss permanent wachsen.

Nicht jede Jahreszeit ist für Blüten da.

Was ich im Herbst und Winter im Garten tue und was ich bewusst lasse

Herbst und Winter sind keine Pause vom Garten.

Sie sind nur eine andere Art, mit ihm zu leben.

Weniger Gießkanne.

Mehr Beobachten.

Und ein paar Handgriffe, die sich im nächsten Frühling bezahlt machen.

Zwiebeln setzen, solange der Boden offen ist.

Tulpen, Narzissen, Krokusse, Traubenhyazinthen.

Man steckt im Herbst kleine braune Knollen in die kalte Erde und hat keinerlei Beweis, dass daraus etwas wird.

Das ist vermutlich die optimistischste Tätigkeit, die das Gartenjahr zu bieten hat.

Solange der Boden nicht gefroren ist, geht das erstaunlich lange.

Stehen lassen statt aufräumen.

Verblühte Stauden, Gräser und Samenstände dürfen bleiben.

Nicht aus Faulheit.

Oder zumindest nicht nur.

In hohlen Stängeln überwintern Insekten, Vögel holen sich die Samen, und an frostigen Morgen sehen die bereiften Silhouetten schöner aus als jedes ordentlich abgeschnittene Beet.

Zurückgeschnitten wird erst im Frühling.

Laub ist kein Müll.

Unter Hecken und auf den Beeten schützt eine Laubschicht den Boden vor Frost und wird langsam zu Humus.

Und ein lockerer Haufen aus Laub und Reisig in einer ruhigen Ecke kann einem Igel den Winter retten.

Auf dem Rasen und auf Wegen darf es trotzdem weg.

Man muss nicht gleich zur Wildnis werden.

Vögel füttern, aber richtig.

Im Winter wird der Garten zur Bühne für Meisen, Rotkehlchen, Amseln und Spatzen.

Wer füttert, sollte die Futterstelle sauber halten, damit sich keine Krankheiten verbreiten, und an frostfreien Tagen auch an eine flache Wasserschale denken.

Und dann: Fenster, Tee, Fernglas.

Es gibt schlechtere Arten, einen grauen Januarmorgen zu verbringen.

Empfindliche Pflanzen schützen.

Kübelpflanzen, die keinen Frost vertragen, kommen an einen hellen, kühlen Ort.

Töpfe, die draußen bleiben, bekommen eine Unterlage aus Holz oder Styropor und vielleicht eine Hülle aus Jute.

Mehr braucht es oft nicht.

Für Farbe sorgen, wenn sonst nichts blüht.

Christrosen, Winterjasmin, Zaubernuss, Schneeglöckchen.

Es gibt Pflanzen, die ausgerechnet dann blühen, wenn alle anderen schlafen.

Ich finde, sie verdienen einen besonders guten Platz.

Am besten einen, den man vom Fenster aus sieht.

Werkzeug pflegen und planen.

Spaten säubern, Scheren schärfen, Saatgut sortieren.

Und dann kommt die schönste Winterbeschäftigung überhaupt:

Gartenbücher lesen, Kataloge durchblättern und Pläne machen, die im Frühling garantiert zu groß sein werden.

Viele der alten Handgriffe für die kalte Jahreszeit findet man übrigens in überliefertem Gartenwissen. Meine Rezension zu „Großvaters Gartenwissen“ von Susanne Bruns findest du hier.

Und wer wissen möchte, wie sich ein ganzes Gartenjahr anfühlt, mit allen Jahreszeiten und allem Scheitern, liest am besten meine Rezension zu „Bin im Garten“ von Meike Winnemuth.

Gärtnern und Scheitern

Ich habe noch niemanden getroffen, der im Garten nie etwas umgebracht hat.

Pflanzen meine ich.

Das gehört dazu.

Manchmal war der Standort falsch.

Zu viel Wasser.

Zu wenig.

Frost.

Hitze.

Schädlinge.

Oder die Pflanze hatte offenbar einfach andere Lebenspläne.

Das Interessante ist:

Im Garten akzeptieren wir Scheitern häufig leichter als in anderen Bereichen.

Die Tomaten waren nichts?

Nächstes Jahr andere Sorte.

Die Staude kommt nicht wieder?

Schade.

Neue versuchen.

Vielleicht liegt darin eine ziemlich gute Lebenslektion.

Nicht jedes Scheitern braucht eine Identitätskrise.

Manchmal hat etwas einfach nicht funktioniert.

Garten und Geduld

Ein Garten ist langsam.

Selbst schnell wachsende Pflanzen brauchen Zeit.

Man kann nicht an einem Setzling ziehen und erwarten, dass er dadurch schneller groß wird.

Das würde die Sache eher verschlechtern.

Auch das ist eine angenehme Gegenbewegung zu unserem sonstigen Alltag.

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Pflanzen interessieren sich nicht dafür.

Sie wachsen in ihrem Tempo.

Vielleicht tut es gut, regelmäßig mit etwas zu tun zu haben, das sich nicht beschleunigen lässt.

Der Garten als Erinnerung

Gärten sammeln Geschichten.

Diese Rose kam von jemandem.

Den Ableger hat die Mutter gegeben.

Die Staude stammt aus dem Garten einer Freundin.

Der Baum wurde zu einem bestimmten Anlass gepflanzt.

Plötzlich ist ein Garten nicht mehr nur eine Sammlung von Pflanzen.

Er wird biografisch.

Vielleicht kennt man sogar Pflanzen, die älter sind als manche Beziehungen im eigenen Leben.

Das finde ich wunderschön.

Besonders Pflanzen, die weitergegeben werden.

Ableger.

Samen.

Zwiebeln.

Etwas wächst im Garten eines Menschen und irgendwann auch im Garten eines anderen.

Eine ziemlich stille Form von Verbindung.

Der Garten der Mutter, der Garten der Großmutter

Viele Erinnerungen an Gärten beginnen in der Kindheit.

Vielleicht bei Großeltern.

Johannisbeeren.

Erdbeeren.

Erbsen.

Rosen.

Ein bestimmter Geruch.

Man erinnert sich möglicherweise nicht mehr an die genaue Gestaltung.

Aber an ein Gefühl.

Gärten speichern Kindheit erstaunlich gut.

Vielleicht liegt das daran, dass sie so viele Sinne gleichzeitig ansprechen.

Gerüche.

Geschmack.

Geräusche.

Licht.

Temperatur.

Eine Erinnerung an eine bestimmte Blume kann plötzlich einen ganzen Sommer zurückbringen.

Auch deshalb gehören Garten und Familiengeschichte für mich zusammen.

Garten und Trauer

Ein Garten kann auch ein Ort für Erinnerung und Trauer sein.

Eine Pflanze für einen Menschen.

Einen Baum.

Eine Rose.

Etwas, das bleibt und sich gleichzeitig verändert.

Ich mag diese Form des Erinnerns.

Nicht monumental.

Lebendig.

Natürlich ersetzt eine Pflanze keinen Menschen.

Aber sie kann einen Ort schaffen.

Etwas, das man sieht.

Pflegt.

Und das jedes Jahr wiederkommt.

Oder eben nicht.

Auch das gehört zur Natur.

Tiere im Garten

Ein Hund liegt entspannt zwischen Margeriten und Storchschnabel im Garten

Ein Garten gehört nie nur uns.

Auch wenn Grundbuch und Gartenzaun etwas anderes behaupten.

Da leben Vögel.

Insekten.

Spinnen.

Igel.

Mäuse.

Vielleicht Frösche.

Und diverse andere Bewohner, mit denen wir unterschiedliche Grade von Begeisterung verbinden.

Manche heißen wir willkommen.

Andere essen unsere Pflanzen.

Die Grenze zwischen „wertvoller Artenvielfalt“ und „verdammtes Vieh hat meine Salate gefressen“ kann erstaunlich schmal sein.

Trotzdem liebe ich Gärten, in denen Tiere Platz haben.

Blühende Pflanzen.

Wasser.

Verstecke.

Nicht jede Ecke aufgeräumt.

Vielleicht ein bisschen Totholz.

Ein Garten wird dadurch lebendiger.

Und interessanter.

Vögel beobachten und plötzlich fünfzig sein

Es gibt Dinge, von denen man als junger Mensch denkt, sie seien ausschließlich für ältere Menschen interessant.

Vögel beobachten zum Beispiel.

Und dann passiert etwas Unheimliches.

Irgendwann steht man am Fenster und sagt:

„Guck mal, ein Grünspecht!“

Und meint es ernst.

Vielleicht ist das Älterwerden gar nicht so schlimm.

Man bekommt offenbar zusätzliche Interessen freigeschaltet.

Ich finde es jedenfalls wunderbar, Tiere im Garten zu beobachten.

Weil man plötzlich merkt, wie viel passiert, wenn man einfach hinsieht.

Ein Garten für Insekten

Über Insektenfreundlichkeit wird inzwischen viel gesprochen.

Zu Recht.

Nicht jeder Garten muss deshalb zur vollkommenen Wildnis werden.

Aber ein paar Entscheidungen können viel verändern.

Blüten über möglichst lange Zeit.

Heimische Pflanzen.

Weniger Gift.

Wasserstellen.

Strukturen.

Und vielleicht die Bereitschaft, nicht jedes Blatt mit Loch sofort als persönliche Beleidigung zu betrachten.

Ein lebendiger Garten sieht nicht immer makellos aus.

Das ist vermutlich sogar ein gutes Zeichen.

Warum Unordnung manchmal gut ist

Wir haben lange gelernt, ein gepflegter Garten müsse ordentlich sein.

Kurzer Rasen.

Saubere Beete.

Keine Blätter.

Keine wilden Ecken.

Aber Ordnung aus menschlicher Sicht ist nicht automatisch gut für andere Lebewesen.

Ein Laubhaufen kann Lebensraum sein.

Samenstände Nahrung.

Totholz ebenfalls.

Vielleicht darf ein Garten deshalb ein bisschen weniger Wohnzimmer und ein bisschen mehr Ökosystem sein.

Das nimmt übrigens auch Arbeit heraus.

Eine ausgesprochen attraktive Nebenwirkung.

Gemüse anbauen: vollkommen irrational und trotzdem großartig

Rein wirtschaftlich betrachtet ist es vermutlich nicht immer sinnvoll, Gemüse selbst anzubauen.

Man kauft Erde.

Samen.

Töpfe.

Dünger.

Vielleicht ein Hochbeet.

Werkzeug.

Und nach Monaten hält man stolz drei Tomaten in der Hand, deren Herstellungskosten ungefähr denen eines Kleinwagens entsprechen.

Trotzdem schmecken sie hervorragend.

Natürlich tun sie das.

Sie müssen.

Aber beim eigenen Gemüse geht es um mehr als Geld.

Man sieht, wo Essen herkommt.

Man wartet.

Erntet.

Kocht.

Und plötzlich besitzt eine Tomate eine Geschichte.

Vom Garten auf den Teller

Hier berühren sich Garten und Küche.

Kräuter.

Tomaten.

Zucchini.

Beeren.

Äpfel.

Salate.

Vielleicht essbare Blüten.

Man muss keinen Selbstversorgergarten besitzen.

Schon ein Topf Basilikum kann das Verhältnis zu Essen verändern.

Und genau hier lassen sich auf Dunkelrot auch meine Gartenthemen mit Rezepten und Ma(h)lzeit-Geschichten verbinden.

Denn Essen beginnt nicht erst in der Küche.

Manchmal beginnt es Monate vorher in einem kleinen Topf.

Was wir früher gegessen haben

Auch alte Kochbücher und Vintage-Zeitschriften passen erstaunlich gut zum Garten.

Welche Obst- und Gemüsesorten tauchten früher in Rezepten auf?

Was wurde eingekocht?

Wie wurde Ernte haltbar gemacht?

Welche Gerichte waren saisonal?

Heute können wir fast alles jederzeit kaufen.

Früher bestimmte die Jahreszeit viel stärker, was auf den Tisch kam.

Ich möchte das nicht romantisieren.

Ein Supermarkt im Februar besitzt erhebliche Vorteile.

Aber alte Rezepte zeigen, wie eng Garten, Vorrat und Küche einmal miteinander verbunden waren.

Das ist Kulturgeschichte.

Und manchmal ziemlich lecker.

Gartenbücher: Warum ich sie trotzdem liebe

Natürlich dürfen auch Bücher hier vorkommen.

Nicht als Hauptthema.

Sondern als Begleiter.

Gartenbücher können praktisch sein.

Inspirierend.

Wunderschön.

Manche kauft man wegen konkreter Informationen.

Andere hauptsächlich, um an einem verregneten Sonntag Gärten anzuschauen, die selbstverständlich keinerlei Schneckenproblem besitzen.

Auch Literatur über Natur und Mensch-Tier-Beziehungen gehört für mich in diesen Zusammenhang.

Bücher wie „Hase und ich“ verändern vielleicht sogar den Blick darauf, wem ein Garten eigentlich gehört.

Nicht nur uns.

Der Garten als Ort für Bücher

Und dann gibt es natürlich noch eine hervorragende Tätigkeit:

im Garten lesen.

Eigentlich verbindet das zwei meiner liebsten Dinge.

Man sitzt draußen.

Mit Buch.

Vielleicht Kaffee.

Und tut offiziell überhaupt nichts Produktives.

Perfekt.

Ich glaube ohnehin, dass ein Garten nicht nur dafür da ist, bearbeitet zu werden.

Man muss ihn benutzen.

Sitzen.

Essen.

Lesen.

Reden.

Schlafen.

Schauen.

Sonst besitzt am Ende der Garten den Menschen und nicht umgekehrt.

Garten und Wechseljahre

Auch das passt zusammen.

Nicht als medizinische Therapie.

Aber als Lebensphase.

Viele Frauen beginnen in der Lebensmitte, Zeit und Prioritäten neu zu betrachten.

Was tut mir gut?

Wo möchte ich sein?

Wie viel Stress möchte ich noch?

Ein Garten kann dabei ein Ort sein, an dem Leistung weniger wichtig wird.

Oder zumindest eine andere Form annimmt.

Man sieht, was man getan hat.

Aber man muss nicht permanent etwas tun.

Und vielleicht verändert sich mit dem Alter auch der Blick.

Man braucht nicht mehr den perfekten Garten.

Vielleicht möchte man einen, in dem man gern lebt.

Garten und weibliche Wut

Ja, sogar die passt hier hinein.

Denn Gartenarbeit kann körperlich sein.

Graben.

Schneiden.

Schleppen.

Unkraut ziehen.

Es gibt schlechtere Orte für überschüssige Energie.

Aber noch interessanter finde ich etwas anderes:

Ein Garten erlaubt Entscheidungen.

Das kommt weg.

Das bleibt.

Hier entsteht etwas Neues.

Man setzt Grenzen.

Im wahrsten Sinne des Wortes.

Vielleicht ist das ein Grund, warum Gärten für manche Menschen so persönlich werden.

Sie sind gestaltbarer Raum.

Garten und Neuanfang

Ein neuer Garten ist eine leere Seite.

Zumindest scheinbar.

Denn natürlich ist bereits Boden da.

Licht.

Schatten.

Vielleicht alte Pflanzen.

Wie bei jedem Neuanfang beginnt man nie wirklich bei null.

Man schaut:

Was ist vorhanden?

Was möchte ich behalten?

Was soll sich verändern?

Das ist ziemlich ähnlich wie im Leben.

Vielleicht mag ich deshalb Gartenplanung.

Sie ist Veränderung ohne die Illusion, alles kontrollieren zu können.

Älterwerden im Garten

Ein Garten verändert sich mit seinem Menschen.

Was man mit dreißig problemlos gemacht hat, möchte oder kann man mit siebzig vielleicht nicht mehr.

Dann darf sich der Garten ebenfalls verändern.

Hochbeete.

Weniger Rasen.

Pflegeleichtere Pflanzen.

Sitzplätze.

Wege.

Ein guter Garten muss nicht gegen seinen Besitzer arbeiten.

Er darf mit ihm älter werden.

Ich finde diesen Gedanken schön.

Nicht irgendwann sagen:

Ich kann den Garten nicht mehr schaffen.

Sondern vorher fragen:

Wie muss der Garten aussehen, damit er noch zu meinem Leben passt?

Der Garten muss nicht perfekt sein

Vielleicht ist das mein wichtigster Gartensatz.

Er muss nicht perfekt sein.

Er muss nicht aussehen wie Instagram.

Oder wie ein Gartenmagazin.

Es darf irgendwo ein Eimer stehen.

Eine Pflanze darf schlecht aussehen.

Der Rasen darf Stellen haben.

Etwas darf vertrocknen.

Man darf keine Lust haben.

Denn ein Garten ist Teil des Lebens.

Nicht dessen Bewerbung.

Was mir der Garten über Kontrolle beigebracht hat

Man kann viel tun.

Aber nicht alles bestimmen.

Das Wetter entscheidet mit.

Der Boden.

Tiere.

Zeit.

Zufall.

Manchmal klappt etwas trotz schlechter Pflege.

Manchmal scheitert etwas trotz aller Mühe.

Das ist frustrierend.

Und vielleicht hilfreich.

Denn auch im restlichen Leben überschätzen wir gern, wie viel wir kontrollieren können.

Ein Garten korrigiert diese Vorstellung regelmäßig.

Was mir der Garten über Zeit beigebracht hat

Dass langsam nicht dasselbe wie schlecht ist.

Dass manche Dinge Jahre brauchen.

Dass eine kleine Pflanze irgendwann einen ganzen Bereich prägen kann.

Dass man heute etwas pflanzen kann, dessen schönste Jahre vielleicht erst viel später kommen.

Das ist ein schöner Gedanke.

Besonders in einer Welt, in der ständig nach sofortigen Ergebnissen gefragt wird.

Was mir der Garten über Verluste beigebracht hat

Dass etwas verschwinden darf.

Eine Pflanze.

Eine Saison.

Ein Plan.

Und dass danach trotzdem wieder etwas wächst.

Nicht als Ersatz.

Nicht identisch.

Aber neu.

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum Gärten Menschen in schwierigen Zeiten gut tun können.

Nicht weil Natur alles heilt.

Das wäre kitschig und falsch.

Sondern weil Veränderung dort sichtbar ist.

Jeden Tag.

Was mir der Garten über Freude beigebracht hat

Dass sie erstaunlich klein sein kann.

Die erste Blüte.

Ein Vogel.

Eine Erdbeere.

Eine Pflanze, von der man sicher war, dass sie tot ist und die plötzlich wiederkommt.

Ein warmer Abend.

Der Geruch nach Regen.

Das sind keine spektakulären Ereignisse.

Vielleicht ist genau das ihre Stärke.

Man muss für sie nirgendwo hinfahren.

Sie passieren direkt vor der Tür.

Mein Fazit: Ein Garten ist niemals fertig, und vielleicht ist genau das sein größtes Geschenk

Schild mit der Aufschrift „Hallo Glück!“ hängt an einem Gartenzaun zwischen grünen Pflanzen

Ich glaube, ich möchte gar keinen fertigen Garten.

Was sollte ich dann damit machen?

Nur noch anschauen?

Ein Garten lebt davon, dass etwas passiert.

Dass Dinge wachsen.

Verschwinden.

Wiederkommen.

Dass Pläne funktionieren.

Und andere grandios scheitern.

Dass Tiere einziehen, die niemand eingeladen hat.

Dass Pflanzen plötzlich an Stellen auftauchen, an denen sie angeblich nicht wachsen können.

Und dass man selbst sich verändert.

Vielleicht sieht derselbe Garten nach zehn Jahren anders aus, weil die Pflanzen größer geworden sind.

Vielleicht aber auch, weil wir anders schauen.

Das ist es, was mich am Garten fasziniert.

Er ist gleichzeitig Ort und Prozess.

Er bewahrt Erinnerungen und verändert sich ständig.

Er kann Nahrung liefern.

Schönheit.

Arbeit.

Frust.

Ruhe.

Überraschung.

Und manchmal einfach einen Platz, an dem man mit einem Buch sitzt und zusieht, wie das Licht durch die Blätter fällt.

Vielleicht braucht ein gutes Leben genau solche Orte.

Nicht perfekt.

Nicht fertig.

Aber lebendig.

Und wenn irgendwo zwischen den Stauden wieder etwas wächst, das dort definitiv nicht vorgesehen war?

Dann kann man es natürlich entfernen.

Oder man wartet erst einmal ab.

Manchmal sind ausgerechnet die ungeplanten Dinge ziemlich schön.

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