Ein guter Charakter von Julie Orringer – Rezension

Ein guter Charakter von Julie Orringer, Roman im Aufbau Verlag, auf Holztisch

Ein guter Charakter Rezension

Werbung: Dieser Beitrag enthält Werbung, da mir der Aufbau Verlag „Ein guter Charakter“ als Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Meine Meinung ist davon unabhängig und spiegelt meinen persönlichen Eindruck wider.

Wie viel Verrat verträgt die Liebe?

Manchmal ist der schlimmste Verrat nicht der, den wir von Fremden erfahren. Sondern der von einem Menschen, der uns eigentlich am besten kennen sollte.

Julie Orringers Roman „Ein guter Charakter“ erzählt von einer Ehe, die längst Risse bekommen hat, von einer verbotenen Liebe, von einer erschütternden Krankheit und von einem Mann, der eine unverzeihliche Entscheidung trifft.

Dava und Barr sind beide Professoren an einer amerikanischen Universität. Nach außen führen sie ein angesehenes, erfolgreiches Leben. Doch hinter dieser Fassade ist Dava längst unglücklich. Sie verliebt sich in ihre Kollegin Svetlana und beginnt, heimlich einen Roman zu schreiben.

Dann verändert eine früh einsetzende Alzheimer-Erkrankung alles. Dava verliert zunehmend ihr Gedächtnis, ihre Selbstständigkeit und schließlich die Möglichkeit, ihre eigene Geschichte zu erzählen.

Und Barr? Er entdeckt ihr Manuskript, schreibt es um und veröffentlicht es unter seinem eigenen Namen.

Was für ein ungeheuerlicher Gedanke: Ein Mensch verliert seine Erinnerungen, und ein anderer nimmt ihm auch noch seine Worte.

Gerade darin liegt für mich die besondere emotionale Kraft dieser Geschichte. Denn es geht um viel mehr als literarischen Diebstahl. Es geht um Macht innerhalb einer Beziehung. Um die Frage, wem unsere Geschichten gehören. Und darum, wie verletzlich unsere Identität wird, wenn wir uns nicht mehr selbst verteidigen können.

Orringer erzählt aus unterschiedlichen Perspektiven und eröffnet damit einen Blick auf Menschen, die lieben, scheitern, verletzen und selbst verletzt werden.

Eine besondere Rolle spielt außerdem eine Hündin, die verschiedene Lebenswege miteinander verbindet. Ein ungewöhnliches, aber berührendes Element in einer Geschichte voller menschlicher Widersprüche.

Mich beschäftigt besonders die Frage, die schon im Titel steckt: Was macht eigentlich einen guten Charakter aus? Unsere Absichten? Unsere Entscheidungen? Oder unser Verhalten, wenn niemand mehr widersprechen kann?

Ein Roman über Liebe, Erinnerung, Schuld und die Geschichten, die wir über uns selbst erzählen.

Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses außergewöhnliche Buch! ❤️

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