Hinweis: Ich habe dieses Buch selbst gekauft. Der Beitrag enthält meine persönliche Meinung.
Manche Familiengeschichten bleiben jahrzehntelang unerzählt. Nicht, weil nichts passiert wäre, sondern weil das, was passiert ist, zu schwer wog, um es am Küchentisch nebenbei zu erwähnen. Genau an so einer Stelle setzt dieser Roman an, und ich fand ihn beeindruckend. Hier kommt meine Und Schnee kann man braten Rezension.
Titel: Und Schnee kann man braten
Autor: Oliver Peral
Genre: Historischer Familienroman, nach wahren Begebenheiten
Umfang: 416 Seiten
Erschienen: 2023 im Selbstverlag
Worum es in „Und Schnee kann man braten“ geht
Der Roman erzählt auf zwei Zeitebenen. Die erste beginnt 1938 im spanischen Dorf Los Isidros, zur Zeit der Franco-Diktatur. Dort verliebt sich die junge Inés in Manuel, einen Freiheitskämpfer, der von einem demokratischen Spanien träumt. Dieser Traum bleibt nicht folgenlos: Manuel wird verfolgt, und was damals geschieht, verändert das Leben aller Beteiligten dauerhaft.
Die zweite Ebene spielt Jahrzehnte später in Osnabrück. Dort lebt Oliver, der Enkel von Inés, und dort wird sichtbar, wie weit die Ereignisse von damals reichen, bis hinein in sein Verhältnis zu seinem Vater Julián. Der Roman beruht auf wahren Begebenheiten, und man merkt beim Lesen, dass hier jemand eine Geschichte erzählt, die ihn selbst betrifft.
Ein Stück europäische Geschichte, das ich kaum kannte
Ehrlich gesagt weiß ich über diesen Teil der europäischen Geschichte nicht allzu viel. Spanischer Bürgerkrieg und Franco-Diktatur kamen in meiner Schulzeit allenfalls am Rand vor, und im Bücherregal landen eher Romane über die deutsche Vergangenheit. Genau deshalb hat mich dieses Buch so beeindruckt: Es erzählt eine Diktatur nicht über Jahreszahlen, sondern über Menschen, die mitten darin ihr Leben führen mussten.
Dabei stellt sich beim Lesen fast von selbst die Frage, wie viel von einer Diktatur eigentlich in einer Familie hängen bleibt, wenn die Diktatur längst Geschichte ist. Verfolgung, Flucht und Schweigen hören nicht auf, wenn die Regierung wechselt. Sie wandern weiter, in Erzählungen, in Auslassungen, in einer bestimmten Art, über bestimmte Dinge nicht zu sprechen.
Genau das macht der Wechsel zwischen Spanien und Osnabrück sichtbar. Auf der einen Seite die große politische Geschichte, auf der anderen ein Vater-Sohn-Verhältnis, in dem sehr viel mitschwingt, ohne ausgesprochen zu werden. Der Titel wirkt daneben erst einmal rätselhaft, fast beiläufig komisch. Er passt aber zu einem Buch, das seine schweren Themen nicht durchgehend schwer erzählt, sondern auch Platz für Humor und Alltag lässt.
Für wen sich das Buch lohnt
Wer historische Romane mag, in denen große Politik am Beispiel einer einzelnen Familie erzählt wird, ist hier richtig. Und wer, so wie ich, bei Spanien im 20. Jahrhundert Lücken hat, bekommt einen Einstieg, der nicht belehrt, sondern erzählt.
Wer dagegen einen durchgehend leichten Wohlfühlroman sucht, sollte wissen: Verfolgung, Verrat und Schuld gehören zum Stoff. Das Buch erschien im Selbstverlag, es ist also kein durchgeplantes Verlagsprodukt, sondern ein sehr persönliches Projekt.
Fazit zu Und Schnee kann man braten
Ein beeindruckender Familienroman, der zeigt, wie lange politische Gewalt in privaten Beziehungen weiterwirkt. Was in Los Isidros beginnt, endet nicht dort, sondern taucht Jahrzehnte später in einem deutschen Wohnzimmer wieder auf. Ich habe das Buch mit dem Gefühl zugeklappt, über ein Stück europäische Geschichte mehr zu wissen als vorher, und zwar auf die Art, die hängen bleibt: über Menschen.
