Kernstück · Gedichtkarten zum Nachspüren · Teil 1 von 4
Es gibt Tage, an denen ich die Vernünftige bin. Und Tage, an denen in mir jemand ganz anderes spricht: eine, die nichts mehr erklären will. Eine, die müde ist vom Kümmern. Eine, die tanzen möchte, obwohl niemand zusieht.
Lange dachte ich, das sei ein Widerspruch. Heute glaube ich: Wir sind nicht eine Frau. Wir sind viele. Und jede von ihnen hat etwas zu sagen.
Warum Archetypen?
Die alten Geschichten kennen diese Vielen längst. Lilith, die sich nicht fügen wollte. Persephone, die zwischen zwei Welten lebt. Hekate an der Wegkreuzung. Demeter, die nährt, bis sie selbst leer ist. Kali, die zerstört, damit Neues entstehen kann. Sophia, die Weisheit unter allem.
Für Die Frauen in uns habe ich 24 dieser Gestalten genommen und gefragt: Was hat sie heute mit uns zu tun? Mit der Frau im Büro, in der Küche, im Wartezimmer, um drei Uhr nachts?
Sie hatte nie Angst davor,
Lilith – Die Ungezähmte
tief zu lieben.
Was sie fürchtete,
war das leise Verschwinden
von allem, was sie gewesen war,
bevor die Liebe sie bat,
kleiner zu werden.
Also sammelte sie
die verstreuten Stücke
ihres wilden, zärtlichen Herzens
und baute sich ein Zuhause,
in dem niemand
sie bitten konnte zu verschwinden.
Drei Karten für jede Frau
Zu jedem Archetyp gehören drei Karten: eine Bildkarte mit ihrem Porträt und einer Botschaft, eine Gedichtkarte und eine Reflexionskarte mit einer Frage an dich. Zusammen sind es 72 Karten, in Dunkelrot und Gold.
Die Fragen sind mir dabei fast am wichtigsten. Nicht, weil sie etwas reparieren sollen. Sondern weil sie eine Tür aufmachen: Wo lebe ich diese Frau in mir? Wo habe ich sie weggesperrt?
So kannst du mit den Karten arbeiten
- Tageskarte: Zieh morgens eine Bildkarte, ohne hinzusehen. Lies die Botschaft und nimm sie mit in den Tag.
- Schreiben: Lies das Gedicht langsam, dann die Frage. Schreib fünf Minuten, ohne abzusetzen.
- Drei Karten: Leg drei Bildkarten nebeneinander: Wer ich war · Wer gerade spricht · Wer ich sein will.
Wie die Kollektion entstanden ist
Am Anfang standen Namen. Lilith, Persephone, Hekate, Artemis, Aphrodite, Pele, Morrígan, Nyx, Medusa, Kali, Freyja, Inanna, Demeter, Athena, Selene, Circe – und dazu Gestalten, die keine Göttinnen sind, sondern Bilder: die Wild Woman, Chiron, die verwundete Heilerin, Aria mit ihrer eigenen Melodie. Zu jeder habe ich mich gefragt, welcher Satz von ihr heute in einer Frau weiterlebt.
Dann kamen die Bilder: Frauenporträts in feinen hellen Linien auf Dunkelrot, eingefasst in Gold. Die Gedichte sind kurz, damit man sie auf einer Karte lesen kann, ohne zu blättern. Und zu jeder Karte gibt es eine Fassung auf Englisch und Französisch – die Kollektion ist dreisprachig entstanden, auch wenn du hier die deutsche Ausgabe kaufst.
Alle 24 Frauen im Überblick
Damit du einen Eindruck bekommst, hier alle 24 Motive von Die Frauen in uns mit der Botschaft, die auf ihrer Bildkarte steht:
- Lilith – Die Ungezähmte: Meine Freiheit ist keine Absage an die Liebe. Sie ist das Versprechen, mich selbst nie aufzugeben, um geliebt zu werden.
- Persephone – Die Frau zwischen den Welten: Ich kann zum Licht gehören und trotzdem ehren, was die Dunkelheit mich gelehrt hat.
- Hekate – Die Hüterin der Wegkreuzung: Ich muss nicht den ganzen Weg sehen, um dem nächsten Schritt zu vertrauen, den ich wähle.
- Artemis – Die Seele, die niemandem gehört: Meine Unabhängigkeit macht mich nicht unerreichbar. Sie macht meine Nähe zu einer Entscheidung statt zu einer Pflicht.
- Aphrodite – Die heilige Liebende: Meine Schönheit ist keine Vorführung. Mein Begehren ist keine Schuld. Ich darf Lust erleben, zu meinen eigenen Bedingungen.
- Pele – Das Feuer, das erschafft: Meine Intensität ist nichts, das gelöscht werden muss. Ich kann lernen, ihre Kraft auf das zu richten, was wachsen soll.
- Morrígan – Die, die das Ende sieht: Dass ich das Ende sehe, macht mich nicht zu seiner Ursache. Ich darf dem trauen, was ich längst weiß.
- Nyx – Die Mutter der Nacht: Ich muss nicht immer hell sein. Auch meine Dunkelheit ist ein Ort, an dem etwas ruhen darf.
- Medusa – Der Blick, dem man die Schuld gab: Mein Schutz ist nicht meine Monstrosität. Ich darf bewachen, was mir einmal genommen wurde.
- Kali – Der Tanz der Auflösung: Nicht alles, was endet, ist verloren. Manchmal macht erst das Ende die Wahrheit möglich.
- Freyja – Die Frau, die Gold weint: Meine Trauer zeigt, wie tief ich lieben kann. Sie muss mein Herz nicht verschließen.
- Inanna – Der Abstieg: Ich darf verlieren, was mich nach außen ausmacht, ohne zu verlieren, wer ich bin.
- Demeter – Die Hand, die die Welt nährt: Für andere zu sorgen verpflichtet mich nicht, mich selbst zu vergessen. Auch mein eigener Hunger darf gestillt werden.
- Athena – Der ungebeugte Geist: Meine Klarheit ist keine Kälte. Ich darf denken und sprechen, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen.
- Selene – Das Licht, das wacht: Ich muss nicht laut sein, um ein Licht zu sein. Auch meine Beständigkeit ist eine Form von Stärke.
- Circe – Eine Insel für sich: Mein Alleinsein ist keine Verbannung. Es ist der Ort, an dem ich meine eigene Kraft entdeckt habe.
- Wild Woman – Die, die sich erinnert: Das Wilde in mir muss nicht gezähmt werden. Es erinnert sich daran, wer ich war, bevor ich mich angepasst habe.
- Chiron – Die verwundete Heilerin: Meine Wunde macht mich nicht weniger. Sie hat mich zu jemandem gemacht, der versteht.
- Pluto – Die Frau, die verbrennt und aufsteht: Verwandlung darf wehtun. Was ich loslasse, macht Platz für die, die ich wirklich bin.
- Psyche – Die Seele, die sehen wollte: Ich will eine Liebe, die die Wahrheit aushält. Genau hinzusehen ist kein Verrat.
- Hera – Das Versprechen, das sie sich selbst hielt: Treue beginnt bei mir. Ich bleibe nicht länger dort, wo nur ich mich verpflichtet fühle.
- Brigid – Die Hüterin der Flamme: Meine Schöpferkraft ist ein Feuer, das ich hüten darf. Kleine tägliche Handgriffe halten es am Leben.
- Aria – Ihre eigene Melodie: Meine Stimme muss nicht passen, um richtig zu sein. Sie darf so klingen, wie nur ich klinge.
- Sophia – Die Weisheit darunter: Meine Weisheit wächst aus dem, was ich gelebt habe. Ich darf ihr trauen, auch wenn sie leise spricht.
Zwei weitere Gedichte aus der Kollektion
Es gibt Zeiten,
Persephone – Die Frau zwischen den Welten
in denen die Welt dort oben
unseren Namen vergisst.
Wir steigen hinab
in eine fremde Dunkelheit
und tragen nichts bei uns
als die Erinnerung
an die, die wir einmal waren.
Und irgendwo
unter der Stille
beginnt ein anderer
Garten.
Nicht jede Rückkehr
bringt uns zurück
als die Frau,
die gegangen ist.
Sie war nie
Sophia – Die Weisheit darunter
in der lautesten Stimme,
nie in der schnellen Antwort
oder der Gewissheit,
die den Streit gewinnt.
Sie lebte darunter,
in der Pause vor dem Sprechen,
in dem Wissen,
das langsam kommt,
wie Wasser durch Stein.
Man suchte sie
in Büchern und Tempeln.
Sie wartete
in jeder Frau,
die gelernt hatte,
auf das zu hören,
was ihr Leben
ihr sagen wollte.
Für wen sind die Karten?
Die Karten sind für Frauen, die spüren, dass in ihnen mehr steckt als die eine Rolle, die sie gerade spielen. Für die, die sich in alten Geschichten wiederfinden, ohne gleich an Götter zu glauben. Für alle, die gern mit Bildern und Symbolen arbeiten und sich von einer Gestalt wie Hekate oder Demeter etwas sagen lassen, das kein Ratgeber so sagen könnte.
Du brauchst kein Vorwissen über Mythologie. Jede Karte erklärt sich durch ihr Gedicht und ihre Botschaft. Wer mehr wissen will, findet zu jeder Gestalt unzählige Geschichten – aber die Karten funktionieren auch ohne sie.
Sechs Ideen für den Alltag
- Stell die Bildkarte der Woche auf den Schreibtisch und schau sie dir an, bevor du schwierige Mails beantwortest.
- Zieh vor einem wichtigen Gespräch eine Karte und frag dich: Welche Frau in mir soll heute sprechen?
- Lege an Neumond drei Karten und schreib auf, welche Kraft du im kommenden Monat mehr leben willst.
- Verschenke eine einzelne Karte an eine Freundin, in der du genau diese Frau siehst.
- Mach aus den Gedichtkarten ein kleines Ritual am Abend: eine Karte, laut gelesen, dann Licht aus.
- Hänge die Karten, die dich gerade begleiten, als Leiste an die Wand und tausche sie, wenn sich etwas verändert.
Fünf Fragen zum Weiterschreiben
Jede Reflexionskarte endet mit einer Frage. Hier sind fünf davon – vielleicht magst du eine gleich heute beantworten:
- Welcher Teil meines Lebens verändert sich, und welcher neue Teil von mir wächst vielleicht unter der Oberfläche?
- Welcher Teil von mir wurde „zu hart“ genannt, obwohl er mich eigentlich schützen wollte?
- Wo mache ich mein Denken kleiner, damit andere sich wohler fühlen?
- Welcher alte Schmerz ist, ohne dass ich es bemerkt habe, zu einer Quelle von Mitgefühl geworden?
- Was weiß mein Leben bereits, das mein Verstand noch nicht annehmen will?
So werden die Karten schön
Am schönsten werden die Karten auf festem, mattem Papier mit 250 bis 300 g/m². Drucke die Bögen in Originalgröße (100 %, nicht „an Seite anpassen“) und schneide entlang der Schnittmarken. Jede Karte misst 70 × 120 mm, also etwas schmaler als eine Postkarte und gut in der Hand. Für Kartenrückseiten druckst du den Rückseitenbogen auf die Rückseite der Kartenbögen; bei vielen Druckern hilft es, vorher einen Probebogen auf normalem Papier zu machen.
Wer keinen guten Drucker hat, gibt die einzelnen JPG-Dateien (300 dpi) einfach im Copyshop oder bei einem Fotodienst ab. Das Journal druckt sich in A4 oder verkleinert in A5, zwei Seiten auf einem Blatt. Du kannst es auch digital ausfüllen, zum Beispiel auf dem Tablet in GoodNotes.
Zum Ausdrucken
Die Karten gibt es als Complete Deck zum Ausdrucken, dazu ein Journal mit 51 Seiten, in dem jede der 24 Frauen eine Doppelseite bekommt – links Bild und Gedicht, rechts Platz für deine Antwort.
- Die Frauen in uns – Complete Deck: 72 Karten zum Ausdrucken, 14,90 €
- Die Frauen in uns – Journal: 51 Seiten zum Schreiben, 6,90 €
- Die Frauen in uns – Paket: Deck und Journal zusammen, 17,90 €
Und dies ist erst der Anfang. Die Frauen in uns ist die erste von vier Kollektionen, die zusammen einen Weg erzählen: von der Kraft über die Gefühle und das Wachstum bis zur eigenen Stimme.
Häufige Fragen
Bekomme ich gedruckte Karten nach Hause?
Nein, es handelt sich um einen digitalen Download. Nach dem Kauf lädst du die Dateien sofort herunter und druckst sie selbst oder im Copyshop. Es wird nichts verschickt.
Wie oft darf ich die Karten ausdrucken?
So oft du möchtest – für dich selbst. Wenn eine Karte kaputtgeht oder du ein zweites Set für die Handtasche willst, druckst du sie einfach neu. Weitergeben oder verkaufen darfst du die Dateien nicht.
Brauche ich Deck und Journal?
Nein, beides funktioniert für sich. Das Deck ist zum Ziehen und Nachspüren, das Journal zum Schreiben. Zusammen ergänzen sie sich, deshalb gibt es sie auch als Paket.
Ist das ein Coaching-Programm?
Nein. Es sind Gedichte mit einer Botschaft und einer Frage. Sie können dich begleiten und anstoßen, aber sie ersetzen keine Beratung und keine Therapie.
Muss ich mit „Die Frauen in uns“ anfangen?
Nein. Die vier Kollektionen erzählen zusammen einen Weg – Kraft, Gefühle, Wachstum, Stimme –, aber jede steht für sich. Fang dort an, wo du gerade bist.
Die Reise in vier Kollektionen: Kraft (Die Frauen in uns) · Gefühle (Die Schatten, die wir tragen) · Wachstum (Die Frau, die ich werde) · Stimme (Briefe meines ungezähmten Selbst).
Die Karten sind Gedichte zum Nachspüren, kein Coaching und keine Therapie. Wenn es dir über längere Zeit schwer geht, hol dir bitte Unterstützung – bei Menschen, denen du vertraust, oder bei Fachleuten.
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