Grusel, Geister und dunkle Geheimnisse: Bücher für Halloween und lange Herbstnächte

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Es gibt Bücher, die funktionieren im Juli.

Und es gibt Bücher, die brauchen Oktober.

Sie brauchen Regen.

Dunkelheit.

Eine Lampe im Fenster.

Vielleicht Wind.

Ein Haus, in dem nachts irgendwo etwas knackt.

Und möglichst die sehr beruhigende Gewissheit, dass man selbst gerade NICHT in einem einsamen viktorianischen Anwesen am Lake Superior sitzt, während im oberen Stockwerk Schritte zu hören sind.

Ich lese Mystery, Gothic, düstere Thriller und Geistergeschichten das ganze Jahr.

Aber im Herbst verändern sie sich.

Vielleicht liegt es am Licht.

Vielleicht daran, dass die Tage kürzer werden.

Vielleicht auch einfach daran, dass Halloween einen hervorragenden Vorwand liefert, sich freiwillig Geschichten über Geister, alte Häuser, Psychiatrien, Familiengeheimnisse und Menschen mit ausgesprochen bedenklichen Absichten auszusuchen.

Andere stellen Kürbisse vor die Tür.

Ich lese über verweste Leichen.

Jeder braucht Traditionen.

Was ist eigentlich ein gutes Halloween-Buch?

Für mich muss ein Halloween-Buch nicht zwangsläufig Horror sein.

Ich brauche keine literarische Kettensäge.

Und ich möchte auch nicht grundsätzlich nachts um drei Uhr überprüfen müssen, ob wirklich niemand unter meinem Bett liegt.

Mein Lieblingsgrusel funktioniert anders.

Atmosphäre.

Ein altes Haus.

Eine Tür, die eigentlich geschlossen war.

Eine Familiengeschichte, in der irgendetwas nicht stimmt.

Ein Ort, an dem die Vergangenheit offensichtlich beschlossen hat, nicht Vergangenheit zu bleiben.

Ein Verbrechen.

Ein Geheimnis.

Vielleicht etwas Übernatürliches.

Vielleicht auch nur Menschen.

Was bekanntlich häufig völlig ausreicht.

Deshalb ist diese Liste eine Mischung.

Mystery.

Northern Gothic.

Geistergeschichten.

Düstere Krimis.

Psychothriller.

Literarische Gespenster.

Und Bücher, bei denen das eigentliche Grauen nicht aus einer anderen Welt kommt, sondern sehr eindeutig aus dieser.

Sanfter Grusel ist auch Grusel

Ich mag Bücher, die Atmosphäre aufbauen, ohne ständig beweisen zu müssen, wie schrecklich sie sein können.

Ein gutes unheimliches Buch muss nicht auf jeder dritten Seite jemanden umbringen.

Manchmal ist ein flackerndes Licht vollkommen ausreichend.

Oder ein Geräusch.

Oder eine Figur, bei der man die ganze Zeit denkt:

Mit dir stimmt doch etwas nicht.

Gerade Wendy Webb kann das für mich sehr gut.

Sie wird nicht ohne Grund gern mit Northern Gothic verbunden.

Ihre Geschichten spielen häufig vor dieser gewaltigen Landschaft rund um den Lake Superior: große Häuser, Wasser, Winter, Familiengeheimnisse und Dinge aus der Vergangenheit, die offenbar keine Lust haben, ordentlich begraben zu bleiben.

Perfekte Herbstlektüre.

1. The Haunting of Brynn Wilder von Wendy Webb

Mit Wendy Webb begann für mich eine ganze kleine Mystery-Liebe.

„The Haunting of Brynn Wilder“ spielt am Lake Superior und enthält vieles, was ich bei solchen Geschichten brauche.

Eine Frau, die eine schwierige Zeit hinter sich hat.

Ein abgelegener Ort.

Ein Haus mit Atmosphäre.

Menschen, bei denen man nicht genau weiß, wie viel man ihnen glauben sollte.

Und natürlich Dinge, für die es möglicherweise keine ganz vernünftige Erklärung gibt.

Ich mag an Wendy Webbs Büchern, dass sie nicht brutal sein müssen, um unheimlich zu sein.

Es ist eher dieses:

Moment.

War da gerade etwas?

Vielleicht.

Vielleicht auch nicht.

Und natürlich liest man weiter.

Man möchte schließlich wissen, ob es wirklich ein Geist war.

Oder ob Menschen wieder einmal die deutlich gefährlichere Variante darstellen.

Für einen Oktoberabend ist das fast ideal.

Ein bisschen gruselig.

Ein bisschen romantisch.

Sehr atmosphärisch.

Und hervorragend geeignet für Sofa, Badewanne oder den sicheren Abstand zu sämtlichen real existierenden Spukhäusern.

Cover „The Haunting of Brynn Wilder“

→ Zur DUNKELROT-Rezension: „The Haunting of Brynn Wilder“

2. The Stroke of Winter von Wendy Webb

Wenn schon Wendy Webb, dann darf „The Stroke of Winter“ natürlich nicht fehlen.

Der Titel erledigt bereits einen Teil der Atmosphäre.

Winter.

Dunkelheit.

Ein Haus.

Geheimnisse.

Nächtliche Ereignisse.

Flackerndes Licht.

Spooky Geräusche.

Und geheimnisvolle Gemälde, bei denen man vermutlich schon aus gesundem Menschenverstand sagen sollte:

Nein, danke.

Ich gehe jetzt.

Romanfiguren machen das bekanntlich selten.

Sie bleiben.

Sie untersuchen Keller.

Sie öffnen Türen.

Sie gehen nachts allein irgendwo hin.

Ohne diese Menschen hätten wir allerdings auch ungefähr achtzig Prozent weniger Mysteryromane.

Also möchte ich mich nicht beschweren.

„The Stroke of Winter“ hat genau diesen gemütlichen Grusel, den ich im Herbst liebe.

Draußen kann es gern stürmen.

Ich sitze drinnen.

Das Unglück passiert anderen.

Eine ausgezeichnete Vereinbarung.

→ Zur DUNKELROT-Rezension: „The Stroke of Winter“

3. The Haunting on West 10th Street von Helen Phifer

Helen Phifer verbindet zwei Dinge, die erstaunlich gut zusammenpassen:

Kriminalfälle und Übernatürliches.

In ihrer Reihe um Detective Maria Miller spielt New York eine große Rolle.

Und schon „The Haunting on West 10th Street“ hat mich begeistert.

Denn hier wird nicht einfach ein Geist auf eine Krimigeschichte gesetzt wie eine Plastikspinne auf einen Halloween-Muffin.

Das Übernatürliche gehört zum Fall.

Genau diese Mischung mag ich.

Ein Ermittlungsplot gibt der Geschichte Struktur.

Das Unheimliche sorgt dafür, dass diese Struktur gelegentlich sehr unangenehme Geräusche im Dunkeln produziert.

Und New York ist ohnehin eine hervorragende Kulisse.

Eine Stadt voller alter Häuser.

Geschichten.

Menschen.

Geheimnisse.

Und vermutlich genug Geister für mehrere Buchreihen.

Für mich war das damals ausdrücklich ein Buch, das hervorragend zur Halloween-Stimmung passte.

Daran hat sich nichts geändert.

→ Zur DUNKELROT-Rezension: „The Haunting on West 10th Street“

4. Her Lost Soul von Helen Phifer

Band zwei legt noch einmal nach.

Und zwar mit einem Setting, das praktisch darum fleht, in einer Halloween-Liste aufzutauchen:

eine alte psychiatrische Anstalt.

Natürlich verlassen.

Natürlich ein Lost Place.

Natürlich gehen Menschen hinein.

Wir können an dieser Stelle gemeinsam feststellen:

Das würde ich nicht tun.

Wenn ein Gebäude seit Jahrzehnten leer steht, nachts merkwürdige Geräusche macht und möglicherweise eine sehr unschöne Geschichte hat, ist mein persönlicher Forschungsdrang begrenzt.

Romanfiguren haben andere Prioritäten.

In „Her Lost Soul“ brechen Jugendliche in diese alte Anstalt ein.

Und von da an wird es deutlich düsterer.

Übernatürliches trifft auf Kriminalfall.

Vergangenheit auf Gegenwart.

Und das Ganze besitzt dieses sehr angenehme „brrr“-Gefühl, das man ungefähr ab Ende September wieder hervorragend gebrauchen kann.

Ich fand diesen zweiten Band sogar noch stärker.

Mehr spooky.

Mehr düster.

Mehr:

Warum genau gehen die da jetzt rein?

Perfekt.

Dunkelrot Rezi Her lost Soul. Das Cover zeigt ein altes Haus mit einem farbigen Hintergrund

→ Zur DUNKELROT-Rezension: „Her Lost Soul“

5. Lakeview House von Helen Phifer

Alte Häuser haben in diesem Artikel inzwischen einen unfairen Marktanteil.

Aber was soll ich machen?

Ein moderner Neubau mit Fußbodenheizung und Dreifachverglasung eignet sich einfach weniger überzeugend für Gothic Mystery.

Lakeview House bringt wieder genau diese Mischung aus Bedrohung, Vergangenheit und einem Ort mit, der eigentlich Zuflucht sein soll und sich zunehmend wie eine Falle anfühlt.

Es gibt ein Hochzeitskleid.

Es ist nass.

Es taucht vor der Tür auf.

Und es besitzt exakt die Maße der Protagonistin.

Ich weiß nicht, wie es euch geht.

Aber ich würde spätestens an dieser Stelle umziehen.

Maddy beginnt stattdessen herauszufinden, wer hinter den Vorgängen steckt.

Natürlich.

Sonst wäre der Roman sehr kurz.

Ich habe das Buch damals ausdrücklich als spooky, leicht zu lesen und perfekt für einen cozy Herbst beschrieben.

Genau deshalb gehört es hier hinein.

Nicht jeder Halloween-Abend braucht literarische Hochleistung.

Manchmal möchte man einfach ein unheimliches Haus, ein Geheimnis und genügend Spannung, um noch ein Kapitel zu lesen.

Und noch eins.

→ Zur DUNKELROT-Rezension: „Lakeview House“

6. Wir Gespenster von Michael Kumpfmüller

Jetzt wird es literarischer.

Und ganz anders.

„Wir Gespenster“ beginnt mit einer jungen Frau, die ihren eigenen leblosen Körper entdeckt.

Lilli ist tot.

Und sie muss erst einmal begreifen, dass die Tote im Stadtpark sie selbst ist.

Das ist ein ziemlich wirkungsvoller Anfang.

Von dort führt der Roman in einen Zwischenraum aus Leben, Tod und Erinnerung.

Lilli versucht herauszufinden, was mit ihr geschehen ist.

Aber das Buch ist nicht einfach ein Mysteryroman über die Aufklärung eines Mordes.

Es ist sprachlicher.

Literarischer.

Teilweise anspruchsvoller.

Die Grenzen zwischen den Lebenden und den Toten werden unscharf.

Und gerade deshalb passt es für mich in diese Sammlung.

Halloween muss nicht immer heißen:

Buh.

Man kann sich auch mit Gespenstern beschäftigen, die melancholischer sind.

Mit dem, was bleibt.

Mit Erinnerung.

Mit der Frage, wie sehr Tote noch Teil der Welt der Lebenden sein können.

Ein anderes Gruseln.

Leiser.

Aber vielleicht gerade deshalb interessant.

→ Zur DUNKELROT-Rezension: „Wir Gespenster“

7. Das Grab von Trueslow Hall von Katherine Webb

Und wir sind zurück beim Anwesen.

Natürlich sind wir das.

„Das Grab von Trueslow Hall“ bringt historisches Flair, ein düsteres Herrenhaus, Familiengeheimnisse und Ermittlungen zusammen.

Katherine Webb kann diese englischen Settings einfach.

Große Häuser.

Vergangenheit.

Menschen, die offensichtlich nicht alles erzählen.

Und irgendwo liegt selbstverständlich etwas begraben.

Im übertragenen oder im sehr konkreten Sinn.

Ich mag solche Bücher, weil sie gleichzeitig spannend und gemütlich sein können.

Das klingt bei einem Buch mit „Grab“ im Titel vielleicht etwas sonderbar.

Aber Leserinnen von Mystery wissen, was ich meine.

Man kann hervorragend mit einer Decke auf dem Sofa sitzen und sich entspannt darüber informieren, welche finsteren Geheimnisse eine andere Familie seit Jahrzehnten verheimlicht.

Es ist praktisch Wellness.

Nur mit Leichen.

→ Zur DUNKELROT-Rezension: „Das Grab von Trueslow Hall“

8. Was damals geschah von Lisa Jewell

Und jetzt kommen wir zu einer Sorte Dunkelheit, die ganz ohne Geister auskommt.

Lisa Jewell braucht für eine unheilvolle Atmosphäre keine übernatürlichen Wesen.

Menschen schaffen das problemlos selbst.

„Was damals geschah“ ist düster, faszinierend und voller Geheimnisse.

Verschiedene Perspektiven.

Verschiedene Zeitebenen.

Eine Familie.

Ein Haus.

Dinge, über die offenbar sehr lange nicht gesprochen wurde.

Und genau diese Mischung erzeugt einen Sog.

Man weiß, dass etwas nicht stimmt.

Dann entdeckt man eine Schicht.

Darunter liegt die nächste.

Und irgendwann möchte man nur noch wissen:

Was ist in diesem Haus eigentlich passiert?

Vielleicht mag ich dunkle Familiengeschichten deshalb so gern.

Ein Geist ist wenigstens relativ eindeutig.

Bei Familien weiß man nie.

Was damals geschah- Lisa Jewell rezi auf dunkelrot.de

→ Zur DUNKELROT-Rezension: „Was damals geschah“

9. Was nicht vergessen wurde von Lisa Jewell

Die Fortsetzung macht genau dort weiter, wo gute dunkle Geschichten besonders interessant werden:

bei Dingen, die eben nicht verschwinden, nur weil Jahre vergangen sind.

Vergangenheit ist in Thrillern ohnehin ausgesprochen hartnäckig.

Menschen begraben Geheimnisse.

Ziehen um.

Ändern Namen.

Beginnen neue Leben.

Und irgendwo sitzt die Vergangenheit und sagt:

Süß.

Ich komme später wieder.

„Was nicht vergessen wurde“ setzt die Geschichte fort und erhält diese unheilvolle Spannung.

Wieder verschiedene Perspektiven.

Wieder Geheimnisse.

Wieder das Gefühl, dass die Wahrheit noch irgendwo unter mehreren Schichten liegt.

Keine Geister.

Aber definitiv Dunkelheit.

Und für Menschen, die an Halloween lieber Psychothriller als klassischen Horror lesen, eine hervorragende Wahl.

→ Zur DUNKELROT-Rezension: „Was nicht vergessen wurde“ – und zum ersten Band „Was damals geschah“

10. Furye von Kat Eryn Rubik

Nicht jedes dunkle Buch ist ein Gruselbuch.

„Furye“ ist dafür ein gutes Beispiel.

Der Roman ist eher ein emotionaler Abstieg.

Vergangenheit.

Trauma.

Erinnerung.

Vergeltung.

Eine Erzählerin, deren Gegenwart von etwas geprägt ist, das sich nicht ordentlich begraben lässt.

Ich habe das Buch als düster, poetisch und gefährlich schön erlebt.

Es besitzt einen anderen Sog als die klassischen Mysterybücher dieser Liste.

Keine knarrenden Türen nötig.

Das Dunkle sitzt im Menschen.

Und manchmal ist genau das wesentlich unangenehmer.

Für mich gehört das Buch deshalb in diese Herbstsammlung.

Nicht, weil Kürbisse darin vorkommen.

Sondern weil es diese fiebrige, dunkle Atmosphäre besitzt, die zu langen Abenden passt.

Ein Buch, das brennt und gleichzeitig friert.

→ Zur DUNKELROT-Rezension: „Furye“

Bonus: Die gehorsame Tochter von Laure Van Rensburg

Ich gebe noch einen Bonus dazu.

Weil diese Liste sonst so aussehen könnte, als bräuchten wir für Grusel immer ein altes Haus oder wenigstens einen halbwegs kooperativen Geist.

Brauchen wir nicht.

„Die gehorsame Tochter“ ist auf eine ganz andere Art unheimlich.

Eine abgeschottete religiöse Gemeinschaft.

Kontrolle.

Frauenfeindlichkeit.

Ein Feuer.

Eine Überlebende.

Und die Frage, ob die Gefahr wirklich von außen kommt.

Diese Art von Geschichte finde ich häufig besonders beklemmend.

Weil sie keine übernatürliche Erklärung braucht.

Menschen können Systeme erschaffen, die gruseliger sind als jedes Gespenst.

Der Roman ist atmosphärisch düster und erzeugt genau dieses Gefühl:

Hier stimmt grundsätzlich etwas nicht.

Nicht gemütlich.

Aber sehr wirkungsvoll.

→ Zur DUNKELROT-Rezension: „Die gehorsame Tochter“

Was macht ein Buch eigentlich wirklich gruselig?

Interessanterweise gar nicht unbedingt das, was gezeigt wird.

Manchmal ist das Unsichtbare viel effektiver.

Ein Geräusch, dessen Ursache man nicht kennt.

Ein Schatten.

Eine Tür.

Eine Erinnerung.

Ein Mensch, der etwas weiß und nicht darüber spricht.

Grusel entsteht im Zwischenraum.

Dort, wo unser Kopf anfängt, den Rest zu ergänzen.

Das ist für Autorinnen und Autoren praktisch.

Das Gehirn der Leser übernimmt einen erheblichen Teil der Arbeit.

Kostenlos.

Alte Häuser und warum wir trotzdem immer hineingehen

Literarisch jedenfalls.

Im echten Leben bin ich sehr dafür, Warnschilder ernst zu nehmen.

„Betreten verboten.“

Verstanden.

Vielen Dank.

Im Roman dagegen möchte ich natürlich wissen, was im Keller liegt.

Warum das Zimmer seit 1947 abgeschlossen ist.

Wer nachts über den Flur läuft.

Warum auf dem Familienfoto eine Person steht, die niemand kennt.

Alte Häuser sind perfekte Speicher.

Sie tragen Vergangenheit sichtbar mit sich.

Dielen.

Tapeten.

Keller.

Dachböden.

Geheime Räume.

Und überall die Möglichkeit:

Hier ist etwas passiert.

Natürlich möchte man wissen, was.

Der Wald

Auch hervorragend.

Tagsüber:

Natur.

Erholung.

Spaziergang.

Pilze.

Nachts:

Nein.

Ein Wald verliert erstaunlich schnell seinen Wellnesscharakter, sobald es dunkel ist.

Literatur weiß das natürlich.

Deshalb landen Figuren ständig dort.

Im Wald.

Allein.

Ohne vernünftige Taschenlampe.

Vielleicht mit fünf Prozent Akku.

Autorinnen sind grausame Menschen.

Wasser ist ebenfalls verdächtig

Seen.

Meer.

Flüsse.

Küsten.

Wasser kann wunderschön sein.

Und gleichzeitig vollkommen undurchsichtig.

Man sieht die Oberfläche.

Nicht, was darunter ist.

Schon haben wir eine Metapher und ein potenzielles Verbrechen.

Deshalb funktionieren die Landschaften bei Wendy Webb so gut.

Der Lake Superior ist nicht einfach hübsche Kulisse.

Er wirkt groß.

Kalt.

Unberechenbar.

Genau so soll Landschaft in Mystery sein.

Warum wir uns freiwillig gruseln

Eigentlich absurd.

Das echte Leben liefert ausreichend Dinge, über die man sich Sorgen machen könnte.

Und trotzdem setzen wir uns hin und denken:

Ich hätte jetzt gern noch ein erfundenes Problem.

Am besten mit Geist.

Warum?

Vielleicht weil fiktionaler Grusel kontrollierbar ist.

Ich kann das Buch zuklappen.

Das Licht anschalten.

In die Küche gehen.

Feststellen, dass dort niemand mit einer Axt steht.

Hoffentlich.

Das Unheimliche bleibt zwischen zwei Buchdeckeln.

Und genau deshalb kann es Spaß machen.

Cozy Grusel

Ich liebe diesen Widerspruch.

Draußen Regen.

Drinnen warm.

Im Buch fürchterliche Dinge.

Man selbst sicher.

Vielleicht Tee.

Vielleicht Kaffee.

Eine Decke.

Und ein Anwesen, in dem seit drei Generationen niemand die vernünftige Entscheidung getroffen hat, einfach auszuziehen.

Das ist für mich der perfekte Herbstabend.

Halloween muss nicht blutig sein

Ich finde überhaupt, wir verbinden Halloween manchmal zu schnell mit möglichst viel Horror.

Dabei gehört zum Grusel viel mehr.

Gothic.

Geistergeschichten.

Alte Legenden.

Mystery.

Rauhnächte.

Friedhöfe.

Dunkle Wälder.

Verlassene Häuser.

Nebel.

Geschichten über Tote.

Und natürlich diese wunderbare Lust daran, sich ein bisschen zu fürchten.

Nicht traumatisieren.

Gruseln.

Ein großer Unterschied.

Aber manchmal darf es richtig dunkel werden

Natürlich.

Manchmal möchte man keinen sanften Geist.

Manchmal braucht es Abgründe.

Thriller.

Psychologische Dunkelheit.

Menschen, die Dinge tun, die man beim Lesen kaum glauben möchte.

Auch dafür ist Herbst die richtige Zeit.

Vielleicht weil die Umgebung ohnehin bereits das Licht dimmt.

Unsterblich von Michaela Kastel: wenn dunkel wirklich dunkel wird

Und wenn wir von Abgründen sprechen, gehört auch „Unsterblich“ von Michaela Kastel zumindest erwähnt.

Eine Tierpräparatorin.

Dubiose Aufträge.

Illegale Geschäfte.

Dunkle Geheimnisse.

Und eine Geschichte, die mir persönlich teilweise sogar zu viel wurde.

Das ist wichtig.

Nicht jedes dunkle Buch wird automatisch zur Empfehlung.

Ich fand den Roman zwar poetisch und abgründig, aber in seiner Überzeichnung irgendwann eher anstrengend.

Gerade Menschen, die Tiere lieben oder mit bestimmten Themen empfindlich sind, sollten meine ausführliche Rezension vorher lesen.

Auch das gehört in einen Sammelartikel:

Nicht nur Bücher zu nennen, die ich uneingeschränkt liebe.

Sondern zu sagen:

Hier könnte eine Grenze liegen.

→ Zur ausführlichen DUNKELROT-Rezension: „Unsterblich“

Helen Phifer und Halloween gehören inzwischen ein bisschen zusammen

Das Schöne am eigenen Blogarchiv ist, dass irgendwann Zusammenhänge entstehen, die man beim Schreiben der einzelnen Artikel noch gar nicht geplant hat.

Helen Phifer ist dafür ein gutes Beispiel.

Nicht nur mehrere ihrer Bücher passen perfekt in diese Sammlung.

Sie war auch Gast im Awesome People Club.

Und dort gab es sogar ihre persönlichen fünf gruseligsten Bücher passend zu Halloween.

Perfekter interner Link.

Genau dafür sind solche Sammelartikel da.

Eine alte Rezension steht nicht mehr allein irgendwo im Archiv.

Sie wird Teil eines größeren Themas.

→ Zum Awesome People Club mit Helen Phifer und ihren Top 5 Scariest Books

Mein Halloween ist eher Buch als Party

Ich brauche zu Halloween ehrlich gesagt keine riesige Veranstaltung.

Ein dunkler Abend reicht.

Vielleicht ein paar Lichter.

Etwas zu essen.

Und ein Buch, bei dem ich nach zwanzig Seiten plötzlich sehr froh darüber bin, dass mein eigenes Haus keine dokumentierte Mordgeschichte besitzt.

Soweit ich weiß.

Wir lassen das jetzt bitte so.

Vielleicht liegt genau darin mein Lieblings-Halloween:

sich freiwillig ein bisschen in eine andere Welt begeben.

Eine düstere.

Mysteriöse.

Unheimliche.

Und danach das Buch zuklappen und feststellen:

Alles ruhig.

Sehr angenehm.

Wenn Bücher Angst machen und trotzdem trösten

Auch das ist ein schöner Widerspruch.

Mystery und Gothic können ausgesprochen gemütlich sein.

Vielleicht weil ihre Regeln klar sind.

Es gibt ein Geheimnis.

Wir suchen die Wahrheit.

Am Ende wissen wir mehr.

Das echte Leben bietet diesen Service leider nicht zuverlässig.

Vielleicht lesen wir deshalb gern Geschichten, in denen Dunkelheit zumindest eine Form bekommt.

Ein Haus.

Ein Täter.

Ein Geist.

Eine Vergangenheit.

Etwas, dem man einen Namen geben kann.

Was ich im Oktober lesen möchte

Atmosphäre.

Das ist eigentlich das wichtigste Wort.

Ich brauche nicht unbedingt Blut.

Ich brauche dieses Gefühl.

Etwas liegt in der Luft.

Ein Ort stimmt nicht.

Eine Geschichte stimmt nicht.

Ein Mensch stimmt nicht.

Und ich möchte wissen, warum.

Wenn ein Buch das schafft, kann draußen gern der Regen gegen die Scheiben laufen.

Dann bleibe ich einfach noch ein Kapitel.

Eine kleine Warnung an alle Romanfiguren

Falls ihr eines Tages in einem alten Herrenhaus übernachtet und nachts ein Geräusch aus einem seit Jahrzehnten verschlossenen Zimmer hört:

Geht nicht nachsehen.

Wirklich.

Lasst es.

Wenn im Keller Licht brennt, obwohl niemand unten sein sollte:

Nein.

Wenn ihr auf einem alten Foto eine Person entdeckt, die genauso aussieht wie ihr:

Ausziehen.

Wenn im Wald jemand euren Namen ruft, obwohl ihr allein seid:

Nicht antworten.

Und wenn Einheimische sagen:

„Nach Sonnenuntergang gehen wir dort nicht hin“,

dann wäre mein Vorschlag:

Nehmt diese Information ernst.

Natürlich werden Romanfiguren das weiterhin ignorieren.

Zum Glück.

Sonst wäre dieses Genre erledigt.

Mein Fazit: Lasst es ruhig ein bisschen dunkler werden

Der Herbst muss nicht immer nur Pumpkin Spice, Wolldecke und romantisches Laub sein.

Er darf auch Nebel.

Gespenster.

Geheimnisse.

Alte Häuser.

Dunkle Familiengeschichten.

Psychiatrien.

Verbrechen.

Und eine leicht beunruhigende Anzahl schlecht beleuchteter Flure enthalten.

Zumindest literarisch.

Vielleicht ist genau das so schön am Lesen.

Wir dürfen Dinge erleben, bei denen wir im echten Leben hoffentlich vernünftiger wären.

Wir dürfen in das Spukhaus gehen.

Die Tür öffnen.

Den Keller betreten.

Mit den Toten sprechen.

Familiengeheimnisse ausgraben.

Und herausfinden, was nachts über den Flur läuft.

Danach schließen wir das Buch.

Machen das Licht an.

Sehen kurz in den Flur.

Nur kurz.

Natürlich ist da nichts.

Wahrscheinlich.

Und wenn doch?

Dann hoffe ich wenigstens, dass es ein literarisch interessanter Geist ist.

Über die Autorin

Fidi ist die Stimme hinter DUNKELROT – einem kreativen Magazin für Poesie, Handmade und Gedankenräume. Sie schreibt über Bücher, die bleiben: selbst gelesen, ehrlich empfohlen.

➤ Mehr über mich  ·  Instagram: @dunkelrot.de

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