Noch wach? von Benjamin von Stuckrad-Barre – Rezension

Noch wach Rezension: Cover des Romans von Benjamin von Stuckrad-Barre

Werbung: Dieser Beitrag enthält Werbung, da mir „Noch wach?“ über NetGalley als Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Meine Meinung ist davon unabhängig und spiegelt meinen persönlichen Eindruck wider.

Ein Mann mit Macht. Eine junge Frau, die beruflich von genau diesem System abhängig ist. Und eine Medienbranche, die sehr genau weiß, was passiert – solange niemand gezwungen ist, es laut auszusprechen. Hier kommt meine Noch wach Rezension.

Titel: Noch wach?
Autor: Benjamin von Stuckrad-Barre

Worum es in „Noch wach?“ geht

„Noch wach?“ ist kein Roman, bei dem ich gemütlich der Handlung gefolgt bin. Vielmehr hatte ich beim Lesen ständig dieses unangenehme Gefühl, Strukturen wiederzuerkennen. Stuckrad-Barre erzählt von Machtmissbrauch, Abhängigkeiten und einer Branche, in der Nähe zu den richtigen Leuten Türen öffnet und dieselbe Nähe plötzlich zur Falle werden kann.

Das Buch ist deutlich im Umfeld der MeToo-Debatten verortet, interessiert sich aber ebenso für das Drumherum: Wer weiß was? Wer schützt wen? Wann wird aus Wegsehen Mitmachen?

Noch wach Rezension: laut, schnell, sehr gegenwärtig

Der Roman ist laut, schnell, manchmal anstrengend und sehr gegenwärtig. Namen, Medienlogik, Partys, Nachrichten, öffentliche Empörung und private Loyalitäten rauschen ineinander. Gerade diese Überfülle passt für mich zum Thema. Es gibt eben nicht den einen bösen Moment und danach eine ordentlich sortierte Aufarbeitung. Es gibt Netzwerke, Interessen, Freundschaften, Angst, Karriere und die erstaunliche Fähigkeit von Institutionen, Verantwortung so lange weiterzureichen, bis sie niemand mehr in der Hand hält.

Nicht jede Volte hat mich gleichermaßen überzeugt. Manches ist mir zu ausgestellt, manches zu sehr Kommentar seiner eigenen Gegenwart. Aber ich habe das Buch auch nicht wegen literarischer Zurückhaltung gelesen. Interessant ist, wie kompromisslos es den Blick auf die Mechanismen richtet, die Übergriffe ermöglichen und anschließend deren Aufklärung erschweren.

Fazit zu Noch wach?

Nach dem Lesen blieb bei mir weniger eine einzelne Figur als eine Frage hängen: Wie viele Menschen müssen eigentlich „davon gewusst“ haben, bevor dieses Wissen endlich Konsequenzen bekommt?

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar.

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