Hinweis: Ich habe dieses Buch selbst gekauft. Der Beitrag enthält meine persönliche Meinung.
Mein persönliches Verhältnis zu Dänemark bestand lange aus „schön“, „teuer“ und einer verdächtig hohen Dichte guter Lampen. Helen Russell geht die Sache gründlicher an. Hier kommt meine The Year of Living Danishly Rezension.
Titel: The Year of Living Danishly
Autorin: Helen Russell
Worum es in „The Year of Living Danishly“ geht
Als ihr Mann einen Job bei LEGO annimmt, zieht die britische Journalistin mit ihm nach Jütland. Aus einem Jahr in Dänemark wird ein Selbstversuch: Warum landen die Dänen in internationalen Glücksstudien so weit oben? Liegt es wirklich an Hygge, Kerzen und Zimtschnecken – oder steckt hinter der berühmten Zufriedenheit etwas wesentlich Komplexeres?
Russell nimmt sich Monat für Monat verschiedene Bereiche des dänischen Lebens vor. Arbeit, Familie, Steuern, Bildung, Vertrauen, Wohnen, Freizeit und natürlich das Wetter kommen auf den Prüfstand. Sie spricht mit Fachleuten, schaut sich Statistiken an und vergleicht ihre neue Umgebung immer wieder mit Großbritannien. Dadurch ist das Buch weder klassischer Reiseführer noch wissenschaftliches Sachbuch, sondern Reportage, Erfahrungsbericht und neugierige Gesellschaftsbeobachtung zugleich.
The Year of Living Danishly Rezension: wo das Klischee Risse bekommt
Interessant fand ich die Stellen, an denen das gemütliche Dänemark-Klischee Risse bekommt. Hohe Steuern wirken anders, wenn man betrachtet, welche gesellschaftlichen Leistungen damit verbunden sind. Vertrauen ist nicht bloß eine nette Charaktereigenschaft, sondern verändert Alltag und Institutionen. Und eine gute Work-Life-Balance entsteht offenbar nicht dadurch, dass man „Selfcare“ in den Kalender schreibt und anschließend bis 22 Uhr E-Mails beantwortet.
Russells Ton ist leicht und selbstironisch, ohne dass das Buch deshalb oberflächlich bleibt. Nicht jede Verallgemeinerung muss man übernehmen, und manches ist erkennbar aus der Perspektive einer privilegierten Zugezogenen erzählt. Trotzdem funktioniert das Experiment hervorragend als Einladung, über die eigenen Vorstellungen von Arbeit, Gemeinschaft und Zufriedenheit nachzudenken.
Fazit zu The Year of Living Danishly
Danach wollte ich nicht unbedingt sofort auswandern. Aber ich verstand sehr viel besser, warum „glücklich leben“ politischer und gesellschaftlicher ist, als ein hübsches Hygge-Foto vermuten lässt.
