The Memory Police von Yoko Ogawa – Rezension

The Memory Police Rezension: Cover des Romans von Yoko Ogawa

Werbung: Dieser Beitrag enthält Werbung, da mir „The Memory Police“ über NetGalley als Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Meine Meinung ist davon unabhängig und spiegelt meinen persönlichen Eindruck wider.

Es beginnt mit Dingen, die verschwinden. Nicht im übertragenen Sinn, sondern ganz konkret. Damit fängt meine The Memory Police Rezension an.

Titel: The Memory Police
Autorin: Yoko Ogawa

Worum es in „The Memory Police“ geht

Auf einer namenlosen Insel lösen sich Gegenstände aus dem kollektiven Gedächtnis. Erst sind es Kleinigkeiten, dann immer mehr. Wer sich trotzdem erinnert, gerät ins Visier der Memory Police. Im Mittelpunkt steht eine Schriftstellerin, die entdeckt, dass ihr Lektor zu den Menschen gehört, deren Erinnerungen nicht verschwinden. Sie versteckt ihn in ihrem Haus.

Aus dieser Situation entwickelt Ogawa keinen klassischen Thriller. Viel wichtiger wird die Frage, was von einem Menschen übrigbleibt, wenn Erinnerungen, Sprache und vertraute Dinge Stück für Stück verloren gehen.

The Memory Police Rezension: wenn Verlust normal wird

Der Roman hat mich gerade deshalb gepackt, weil er seine Bedrohung nicht mit großem Getöse inszeniert. Das Verstörende kommt leise. Menschen wachen auf und wissen plötzlich, dass etwas keine Bedeutung mehr hat. Sie entsorgen die entsprechenden Dinge und machen weiter. Diese Normalität ist fast schlimmer als offene Gewalt.

Mich hat besonders beschäftigt, wie selbstverständlich sich die Bewohnerinnen und Bewohner anpassen. Wann wird Verlust normal? Wie viel kann verschwinden, bevor wir merken, dass damit auch Teile unserer Identität verloren gehen? Und was bedeutet Widerstand in einer Welt, in der die Mehrheit längst vergessen hat, dass überhaupt etwas fehlt?

Ogawas Sprache passt vollkommen zu dieser Geschichte: klar, ruhig, beinahe kühl. Gerade deshalb bekommen die surrealen Bilder eine enorme Wirkung. Nichts wird hektisch erklärt. Die Insel bleibt rätselhaft, die Mechanismen der Macht ebenfalls. Wer eine sauber ausformulierte dystopische Welt mit Gebrauchsanweisung erwartet, bekommt sie nicht. Mir gefällt genau das. Die Ungewissheit gehört zum Roman.

Fazit zu The Memory Police

„The Memory Police“ ist eines dieser Bücher, die während des Lesens still wirken und danach immer größer werden. Eine Geschichte über Erinnerung und Verlust, aber ebenso über Sprache, Macht und die erschreckende menschliche Fähigkeit, sich an beinahe alles zu gewöhnen.

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar.

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