
Erbgut von Marlen Hobrack
Was von meiner Mutter bleibt.
Inhalt:
Es ist erstaunlich, wie viel ein Mensch hinterlässt, selbst wenn er vermeintlich „nichts hat“. Erbgut. Was von meiner Mutter bleibt beginnt dort, wo viele Geschichten enden: im Nachlass. Zwischen Steppdecken, Vitaminpräparaten, Putzmitteln, ungeöffneten Paketen vom Teleshopping und Fotos, die niemand mehr beschriftet hat. Für Marlen Hobrack bedeutet dieser Nachlass kein materielles Erbe – sondern einen Berg aus Schulden, Dingen, Fragen und Schmerz.
Als sie beginnt, das Chaos ihrer verstorbenen Mutter zu sortieren, legt sie Schicht um Schicht nicht nur deren Leben frei, sondern auch die verdrängten Geschichten der eigenen Herkunft. Was verraten die Objekte, die eine Arbeiterin jahrzehntelang hortet? Warum führen so viele Frauen ihr inneres Loch mit Konsum? Und wie tief greift das Trauma der Eltern in die Körper und Biografien der Kinder über?
Meine Meinung:
Hobrack schreibt analytisch, aber nie kalt. Radikal ehrlich, aber nie entwürdigend. Sie beschreibt die Mutter, wie sie war: widersprüchlich, verletzlich, einsam, getrieben von Sehnsüchten, die sich in Dingen statt in Worten gesammelt haben. Der Nachlass wird zu einem Spiegel – nicht nur der Mutter, sondern auch einer sozialen Realität, über die selten gesprochen wird: Armut, Scham, Konsumsucht, Messie-Tendenzen, Überforderung, die stille Verzweiflung von Frauen, die niemand auffangen konnte.
Besonders kraftvoll ist die Art, wie Hobrack das Erbe als psychologisches Feld versteht: nicht als Besitz, sondern als Last, als Frage, als Abgrund, als Möglichkeit. „Was bleibt von meiner Mutter in mir?“ ist die wahre Frage dieses Buches – und sie wird mutig, schmerzhaft und zugleich liebevoll gestellt.
Fazit zu Erbgut von Marlen Hobrack
Erbgut ist kein klassisches Memoir, sondern ein sezierender, poetischer, gesellschaftskritischer Bericht über Weiblichkeit, Klasse, Trauma und das Weiterleben nach einer Beziehung, die nie einfach war. Ein Buch, das weh tut und befreit. Und eines der wichtigsten deutschsprachigen Werke über Herkunft der letzten Jahre.
Danke an @harpercollins_de (Nagel & Kimche) und @netgalleyde.
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