HASELNUSSKROKANT- BLUT, BISS und BEGEHREN
Zuckerkern und Sturm ist ein Raum für Textkörper. Für Lüste, die denken, und Gedanken, die begehren.
Eine Kolumne zwischen Samt und Haltung, zwischen feministischer Rückgratspannung und brennender Spitze.
Hier schreibe ich über das, was sich nachts aus Worten schält – und manchmal wie Scham schmeckt, manchmal wie ein Geständnis klingt.
Manche Sätze wollen berühren. Andere wollen aufrühren. Diese hier tun beides.
Einmal im Monat. Immer mit Nachgeschmack.
Wenn dein Begehren manchmal lauter ist als deine Haltung, bist du hier richtig.
Wenn du beim Lesen zuckst, zu spät atmest oder einen Satz mit in den Schlaf nimmst – genau das ist der Punkt.
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🩸 Kolumne #2: Blut, Biss & Begehren
„Du gehörst mir“, sagt er. Doch sie legt den Hals frei. Und wählt.
1 · Einleitung: Warum immer noch Vampire?
Vampire sind überall. Schon wieder. Von viktorianischen Klassikern bis zu Streaming-Thirst-Traps – die Untoten bleiben einfach nicht tot. Und wir laden sie immer wieder ein. Warum?
Weil der Vampir nicht nur unsere Albträume heimsucht. Er durchstreift die feuchten Korridore unseres Verlangens.
Er ist nicht bloß Monster, sondern Spiegel. Er nimmt unsere Widersprüche in sich auf: Sex und Scham. Lust und Schmerz. Selbstverlust und Selbsterkenntnis. Unter dem weiblichen Blick wird der Vampir zum Alibi des Begehrens – und zur Grammatik der Hingabe. Er erlaubt uns zu wollen – und begehrt zu werden.
Er ist auch eine der wenigen mythischen Figuren, die unsere zartesten Sehnsüchte und unser wildestes Verlangen gleichzeitig berühren dürfen – ohne Urteil. Und er tut es nicht mit Gewalt, sondern mit Präzision.
2 · Eine kurze blutige Geschichte
In Bram Stokers Dracula (1897) materialisiert sich die viktorianische Angst vor weiblicher Autonomie. Lucy Westenra, deren sexuelle Offenheit durch Briefe und Flirts angedeutet wird, wird „bestraft“ – sie wird zur Vampirin gemacht und vernichtet. Mina Harker dagegen überlebt – sie wird erhöht zur reinen, intellektuellen Ehefrau-Mutter-Figur. Die Madonna lebt. Die Hure verblutet.
Aber etwas schlich sich durch das moralische Gerüst: Lucys Verwandlung ist erotisch. Ihr neuer Körper ist begehrlich, hungrig, mächtig. Sie stöhnt. Sie beißt. Sie will. Und Leserinnen merkten es.
Allein der Akt, im viktorianischen England den Hals zu entblößen, war ein Skandal – erotisch, grenzüberschreitend, fast pornografisch in seiner Subtilität. Ein zarter Hals unter Spitzen. Der gedachte Druck zweier Zähne.
Die Verführung war sinnlich. Die Hingabe: bewusst gewählt.
Siehe: Auerbach, Nina. Our Vampires, Ourselves (1995)
Dracula selbst ist kein Tier roher Gewalt, sondern ein Wesen der Eleganz. Des Verlangens. Er trinkt nicht nur – er verwandelt. Seine Liebe zu Mina ist obsessiv, verdreht, aber tief empfunden. Seine Bräute macht er nicht mit Gewalt, sondern durch erotische Konversion. Sie kommen. Sie bleiben. Sie begehren.
3 · Die Sukkuba, der Blick & der Mund
Nicht alle Vampire beißen mit Zähnen. Manche lecken zuerst. Manche verweilen. Manche holen sich Zustimmung nicht mit Worten – sondern mit Rhythmus.
Die Sukkuba betritt die Bühne: ein uralter weiblicher Dämon, der Männer im Schlaf verführt und ihnen die Lebenskraft entzieht. Sie ist das Symbol gefährlicher weiblicher Lust. Sie umarmt das Dunkle, das die brave Weiblichkeit leugnet.
Wie ihre vampirischen Verwandten kehrt die Sukkuba den Blick um: Sie sieht. Sie wählt. Ihr Appetit ist ästhetisch, kalkuliert, tief geschlechtlich. Und sie nimmt.
Lecken, saugen, beißen – das ist hier nicht bloße Konsumtion, sondern Kommunion. Der Mund wird zum Ort der Lust und der Macht. Die Wunde wird zur Öffnung. Und das Füttern – zur Erinnerung.
Manchmal ist das Blut nicht vom Hals. Menstruationsblut ist uralte Magie – tabuisiert, ja, aber mächtig. Es ist das Leben, das den Körper verlässt, ohne verbraucht zu sein. Es sagt: „Ich war bereit zu erschaffen – und habe trotzdem mich gewählt.“
Siehe: Creed, Barbara. The Monstrous-Feminine (1993)
Und was, wenn die Sukkuba nicht beim Schlaf bleibt? Was, wenn sie sich zwischen wache Schenkel kniet, mit einem Mund voller Hingabe, trinkend – nicht nur Blut, sondern reines Verlangen? Was, wenn das Füttern ein Ritual wird: feucht, heilig, obszön?
4 · Blut als Leben, Blut als Lust
In der Vampir-Mythologie ist Blut mehr als Biologie. Es ist Essenz. Identität. Seele.
Blut zu saugen heißt: eine Geschichte kosten. Schmerz zum eigenen Hunger machen. Es ist der intimste Diebstahl – und gleichzeitig der willigste.
Deshalb fühlen sich die besten Vampirszenen an wie Sex – und manche Sexszenen lesen sich wie Füttern. Lippen schließen sich. Der Atem wird kurz. Es gibt ein Keuchen, Feuchtigkeit, Erlösung. Und danach: das Nachzittern.
Menstruation kehrt hier nicht als Störung zurück, sondern als Erzählung. Der Körper blutet nicht durch Gewalt, sondern durch Rhythmus. Ein Zyklus der Bereitschaft. Eine Weigerung, sauber zu sein. Rot nicht als Warnung – sondern als Einladung.
5 · Fortpflanzung vs. Verfall
Historisch wurde weibliche Lust als Fortpflanzung verpackt – nicht als Spiel. Der Vampir lacht darüber. Er will deinen Hals, nicht deine Gebärmutter. Sex ist Hunger, nicht Ernte.
Das verändert die Verdrahtung: weibliches Begehren wird in der Vampirliteratur nicht zweckgebunden. Es existiert, weil es existiert. Der Körper will. Die Seele flutet. Der Biss singt.
Der Vampir hebt die Grenze zwischen Körper und Seele auf – denn er fragt nicht, welchen Teil er berührt. Er berührt beide.
Mehr dazu: Russo, Mary. The Female Grotesque (1994)
6 · Feminismus, Erotik & der blutende Blick
Wir lernen, den männlichen Blick zu fürchten. Und das mit Recht. Aber feministische Erotik – vor allem vampirische – zeigt uns etwas Subtileres:
Dass man den Blick beanspruchen kann. Umschreiben. Verführen.
In diesen Geschichten wird die Heldin nicht gejagt. Sie jagt zurück. Oder lädt die Dunkelheit ein – zu ihren Bedingungen. Das ist keine Unterwerfung. Das ist Autorschaft.
Was diese Erzählungen heiß macht, ist nicht Gefahr. Es ist Agency. Sie entscheidet, sich aufzulösen. Und der Vampir ist paradoxerweise der Einzige, der genau hinsieht, was sie wirklich will.
Er überwältigt sie nicht. Er öffnet sie. Und ja – manchmal blutet sie. Aber sie hat darum gebeten.
Empfehlung: Snitow, Ann. Powers of Desire: The Politics of Sexuality (1983)
7 · Queere Zähne: Untot, unrein, unaufhaltsam
Der Vampir ist zutiefst queer. Er verweigert Fortpflanzung, Erbe, Stammbaum. Seine Welt besteht aus perverser Intimität.
Von Carmilla über True Blood bis Interview with the Vampire – vampirisches Begehren hat sich nie an die heteronormative Leine legen lassen. Und wir? Wir haben nicht weggesehen. Wir haben genauer hingeschaut.
Denn diese Geschichten erlauben es uns, in unseren Widersprüchen zu leben. Nass. Wild. Verwundet. Als Körper, die wollen – und trotzdem Theorie zwischen den Zähnen tragen.
8 · Die Bräute: Schwesterbund der Nacht
Vergessen wir nicht Draculas Bräute – sinnlich, gefährlich, oft als Accessoires abgetan. Aber was, wenn sie Schwestern der Lust sind? Wenn das Schloss nicht sein Reich war, sondern ihres?
Die Vampirbraut ist kein Opfer. Sie ist Partnerin. Sie nährt, sie fickt, sie fliegt. Ihre Lippen sind nicht grundlos rot.
9 · Was der Vampir aus uns macht
Der Vampir bietet keine Ehe, keine Sicherheit, keine Kinder. Er bietet etwas Obszöneres – und Wahrhaftigeres:
Er sieht uns – unrein.
Er nimmt das, was wir verstecken – und begehrt es.
Den Vampir zu lieben heißt, sich selbst in Unordnung zu lieben. Das eigene Begehren zu akzeptieren, auch wenn es beißt. Die eigene Lust zu feiern, auch wenn sie nicht brav ist. Zu wissen: Blut ist nicht nur Tod – es ist Leben. Feuchtigkeit ist nicht peinlich – sondern heilig.
Dass dein Hals sich reckt, ist kein Zeichen der Schwäche. Sondern eine Einladung.
Dass dein Glanz überläuft, ist keine Sünde. Sondern Wahrheit.
Das ist Literatur.
Das ist Feminismus.
Das ist das Blut in der Geschichte.
Weiterführende Literatur:
- Auerbach, Nina. Our Vampires, Ourselves (1995)
- Creed, Barbara. The Monstrous-Feminine (1993)
- Halberstam, Jack. Skin Shows (1995)
- Weiss, Andrea. Vampires and Violets (1992)
- Williamson, Milly. The Lure of the Vampire (2005)
- Snitow, Ann. Powers of Desire (1983)
- Russo, Mary. The Female Grotesque (1994)
- Spooner, Catherine. Contemporary Gothic (2006)
- Mulvey, Laura. Visual Pleasure and Narrative Cinema (1975)
- Hurley, Kelly. The Gothic Body: Sexuality, Materialism, and Degeneration at the Fin de Siècle (1996)
Zuckerkern und Sturm will keine einfachen Antworten. Sondern Wörter, die den Finger auf Widersprüche legen – und dort bleiben.
Bis zum nächsten Text. Bring deinen Sturm mit.
— Haselnusskrokant
Sugarcore & Storm is a space for textbodies. For lust that thinks, and thoughts that ache.
A column between velvet and backbone, between feminist tension and the sharp tip of longing.
Here, I write what peels itself out of language at night—sometimes tasting like shame, sometimes sounding like confession.
Some sentences want to touch. Others want to stir. These do both.
Once a month. Always with an aftertaste.
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🩸 Column #2: Blood, Bite & Belonging
„You are mine,“ he says. But she bares her throat. And chooses.
1 · Introduction: Why Vampires, Still?
Vampires are everywhere. Again. From Victorian classics to streaming-era thirst traps, the undead just won’t stay dead—and we keep inviting them in. Why? Because the vampire doesn’t just haunt our nightmares. He prowls the damp corridors of our desire.
He is not merely monster but mirror. He absorbs our contradictions. Sex and shame. Pleasure and pain. Self-loss and self-knowledge. Under the female gaze, the vampire becomes an alibi for longing and a grammar for surrender. He gives us permission to want—and to be wanted.
He is also one of the few mythic figures who can touch both our softest ache and our most feral hunger without judgment. And he does so not with force—but with precision.
2 · A Brief Bloody History
In Bram Stoker’s Dracula (1897), we see the Victorian fear of female autonomy made flesh. Lucy Westenra, whose sexual openness is subtly hinted at through letters and flirtation, is „punished“ by being turned into a vampire and destroyed. Mina Harker, in contrast, survives—elevated as the pure, intellectual wife-mother archetype. The Madonna lives. The Whore bleeds out.
But something slipped through the moral scaffolding: Lucy’s transformation is hot. Her new body is erotic, hungry, powerful. She moans. She bites. She wants. And female readers noticed.
The very act of baring one’s neck in Stoker’s time was charged with scandal—erotic, transgressive, almost pornographic in its subtlety. A delicate neck, exposed beneath lace. The imagined pressure of fangs.
The seduction was sensual. The surrender, deliberate.
See: Auerbach, Nina. Our Vampires, Ourselves (1995)
Dracula himself is not a beast of brute force, but of elegance. Of desire. He doesn’t just drink; he transforms. His love for Mina is obsessive, twisted, but deeply felt. He makes his brides—not by force—but through erotic conversion. They come. They stay. They hunger.
3 · The Succubus, the Gaze, and the Mouth
Not all vampires bite with teeth. Some lick first. Some linger. Some draw consent not with words, but with rhythm.
Enter the Succubus: an ancient female demon who seduces men in their sleep and drains their life force. She’s a symbol of dangerous female pleasure. She leans into the darkness that respectable femininity denies.
Like her vampiric cousins, the Succubus flips the gaze: She sees. She chooses. Her appetite is aesthetic, deliberate, and deeply gendered. And she takes.
The act of licking, biting, sucking—in these mythologies—is not just consumption, but communion. The mouth becomes the site of both pleasure and power. The wound becomes an opening. And the feeding, a kind of remembering.
In some versions, the blood isn’t just from the neck. Menstrual blood is ancient magic—taboo, yes, but powerful. It is life that leaves the body unspent. It is the body’s way of saying, “I was ready to create, and I still chose me.”
See: Creed, Barbara. The Monstrous-Feminine (1993)
And what if the succubus doesn’t stop at sleep? What if she kneels between thighs still awake, mouth slick with devotion, drinking not just blood but want itself? What if the feeding becomes a ritual of release—wet, sacred, obscene?
4 · Blood as Life, Blood as Lust
In vampire mythos, blood is more than biology. It is essence. Identity. Soul.
To suck someone’s blood is to taste their story. To make their pain part of your hunger. It is the most intimate theft imaginable—and also the most willing.
That is why the best vampire scenes feel like sex, and the best sex scenes sometimes read like feeding. The lips close. The breath shortens. There is gasp, wetness, release. And then—after—the ache remains.
Menstruation returns here, not as nuisance, but as narrative. The body bleeding not from violence, but from rhythm. A cycle of readiness. A refusal to be clean. Red not as warning, but as welcome.
5 · Reproduction vs. Ruin
Historically, women’s pleasure was framed as reproductive, not recreational. The vampire laughs at that. He wants your neck, not your uterus. Sex is for hunger, not harvest.
This rewires the circuitry: female desire, in vampire fiction, becomes non-instrumental. It exists because it exists. The body wants. The soul floods. The bite sings.
The vampire collapses the binary between body and soul—because he doesn’t ask which part of you he’s touching. He touches both.
For more: Russo, Mary. The Female Grotesque (1994)
6 · Feminism, Erotica, and the Gaze That Bleeds
We are taught to fear the Male Gaze. And rightly so. But feminist erotica—and vampiric erotica in particular—shows us something subtler:
That the gaze can be claimed. Rewritten. Even seduced.
In these stories, the heroine is not hunted. She hunts back. Or welcomes the darkness in, on her terms. This is not submission. It is authorship.
What makes these narratives hot is not danger. It’s agency. She chooses to be undone. And the vampire, paradoxically, is the only one who watches closely enough to see what she truly wants.
He doesn’t overpower her. He opens her. And sometimes, yes—she bleeds, but she asked for it.
Recommended: Snitow, Ann. Powers of Desire: The Politics of Sexuality (1983)
7 · Queer Teeth: Undead, Unclean, Uncontained
The vampire is deeply queer. He resists reproduction, lineage, legacy. His world is built on perverse intimacy.
From Carmilla to True Blood to Interview with the Vampire, vampiric desire has always slipped the leash of heteronormativity. And the audience? We didn’t look away. We leaned closer.
Because these stories let us exist in our contradictions. As wet, wild, wounded creatures. As bodies that throb with want and still carry theory in their teeth.
8 · The Brides: Sisterhood of the Night
Let us not forget the brides of Dracula—sensual, dangerous, and often dismissed as mere accessories. But what if they were sisters of lust? What if the castle was not his domain, but theirs?
The vampire bride is not a victim. She is a partner. She feeds, she fucks, she flies. Her lips are red for a reason.
9 · What the Vampire Makes of Us
The vampire does not offer marriage, safety, or children. He offers something more obscene and more honest: to witness us, unclean.
He takes the part we hide—and adores it.
To love the vampire is to accept that you are not always tidy. That your desire might bite. That your pleasure is not always polite. That blood is not only death—but life. That wetness is not shameful—but sacred.
That your throat, when it arches, is not weakness. It is invitation.
That your slickness, when it overflows, is not excess. It is truth.
That’s literature.
That’s feminism.
That’s the blood in the story.
Further Reading / Blood Library:
Hurley, Kelly. The Gothic Body (1996) Dissonance
Auerbach, Nina. Our Vampires, Ourselves (1995)
Creed, Barbara. The Monstrous-Feminine (1993)
Halberstam, Jack. Skin Shows (1995)
Weiss, Andrea. Vampires and Violets (1992)
Williamson, Milly. The Lure of the Vampire (2005)
Snitow, Ann. Powers of Desire (1983)
Russo, Mary. The Female Grotesque (1994)
Spooner, Catherine. Contemporary Gothic (2006)
Mulvey, Laura. Visual Pleasure and Narrative Cinema (1975)
If your desire sometimes speaks louder than your politics, you’re in the right place.
If a sentence makes you flinch, breathe late, or carry it into sleep—that’s the point.
Sugarcore & Storm isn’t here for easy answers. It’s for words that press into contradictions—and stay there.
Until the next text. Bring your storm.
— Haselnusskrokant
Noyau sucré & Tempête, c’est un espace pour les corps-texte. Pour des désirs qui pensent et des pensées qui brûlent.
Une chronique entre velours et colonne vertébrale, entre tension féministe et pointe brûlante du désir.
J’y écris ce que la nuit dénude des mots—parfois avec un goût de honte, parfois comme un aveu.
Certains mots veulent caresser. D’autres veulent secouer. Ceux-ci font les deux.
Une fois par mois. Toujours avec un arrière-goût.
Si ton désir crie parfois plus fort que tes convictions, tu es au bon endroit.
Si une phrase te fait frissonner, te couper le souffle ou te suit jusqu’au lit—c’est là que ça commence.
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🩸 Chronique #2 : Sang, Morsure & Appartenance
« Tu es à moi », dit-il. Mais elle découvre sa gorge. Et choisit.
1 · Introduction : Pourquoi encore les vampires ?
Les vampires sont partout. Encore. Des classiques victoriens aux pièges à soif de l’ère du streaming, les morts-vivants ne restent jamais morts – et nous les invitons sans cesse. Pourquoi ? Parce que le vampire ne hante pas seulement nos cauchemars. Il rôde dans les couloirs humides de notre désir.
Il n’est pas seulement monstre, mais miroir. Il absorbe nos contradictions. Sexe et honte. Plaisir et douleur. Perte de soi et lucidité. Sous le regard féminin, le vampire devient un alibi pour le désir – et une grammaire pour l’abandon. Il nous donne la permission de vouloir – et d’être voulu·e.
C’est aussi l’une des rares figures mythiques capables de toucher à la fois notre douceur la plus tendre et notre faim la plus animale – sans jugement. Et il le fait, non pas par la force, mais avec précision.
2 · Une brève histoire sanglante
Dans Dracula (1897) de Bram Stoker, la peur victorienne de l’autonomie féminine prend chair. Lucy Westenra, dont l’ouverture sexuelle est subtilement suggérée par ses lettres et flirts, est « punie » en devenant vampire puis détruite. Mina Harker, en revanche, survit – élevée au rang d’épouse-mère pure et intellectuelle. La Madone vit. La Putain saigne.
Mais quelque chose a échappé à l’armature morale : la transformation de Lucy est érotique. Son nouveau corps est désirable, affamé, puissant. Elle gémit. Elle mord. Elle veut. Et les lectrices l’ont remarqué.
À l’époque victorienne, découvrir son cou était déjà un scandale – érotique, transgressif, presque pornographique par sa subtilité. Une gorge nue sous la dentelle. La pression imaginaire des crocs.
La séduction était sensuelle. L’abandon : délibéré.
Voir : Auerbach, Nina. Our Vampires, Ourselves (1995)
Dracula n’est pas une bête brute, mais une créature d’élégance. De désir. Il ne se contente pas de boire : il transforme. Son amour pour Mina est obsessionnel, tordu, mais profondément ressenti. Il fait de ses épouses des vampires – non par la force – mais par conversion érotique. Elles viennent. Elles restent. Elles ont faim.
3 · La succube, le regard et la bouche
Tous les vampires ne mordent pas avec leurs dents. Certains lèchent d’abord. Certains s’attardent. Certains obtiennent le consentement non par les mots, mais par le rythme.
Voici la succube : un ancien démon féminin qui séduit les hommes dans leur sommeil et absorbe leur force vitale. Elle incarne le plaisir féminin dangereux. Elle embrasse l’obscurité que la féminité respectable rejette.
Comme ses cousines vampiriques, la succube renverse le regard : Elle voit. Elle choisit. Son appétit est esthétique, calculé, profondément genré. Et elle prend.
L’acte de lécher, mordre, sucer – dans ces mythes – n’est pas simple consommation, mais communion. La bouche devient le lieu du plaisir et du pouvoir. La plaie devient une ouverture. Et l’alimentation, une forme de mémoire.
Parfois, le sang ne vient pas du cou. Le sang menstruel est une magie ancienne – tabou, oui, mais puissante. C’est la vie qui quitte le corps sans être utilisée. C’est la façon dont le corps dit : « J’étais prête à créer, et j’ai quand même choisi moi ».
Voir : Creed, Barbara. The Monstrous-Feminine (1993)
Et si la succube ne se limitait pas au sommeil ? Et si elle s’agenouillait entre des cuisses encore éveillées, la bouche brillante de dévotion, buvant non seulement le sang mais le désir lui-même ? Et si l’alimentation devenait un rituel de libération – humide, sacré, obscène ?
4 · Le sang comme vie, le sang comme luxure
Dans les mythes vampires, le sang est plus que biologique. Il est essence. Identité. Âme.
Sucez le sang de quelqu’un, c’est goûter à son histoire. Faire de sa douleur une partie de votre faim. C’est le vol le plus intime imaginable – et aussi le plus consenti.
Voilà pourquoi les meilleures scènes de vampires ressemblent au sexe – et que les meilleures scènes de sexe se lisent parfois comme une tétée. Les lèvres se referment. Le souffle se coupe. Il y a des gémissements, de l’humidité, une libération. Et ensuite – le désir persiste.
La menstruation revient ici, non comme nuisance, mais comme narration. Le corps saigne non par violence, mais par rythme. Un cycle de disponibilité. Un refus de propreté. Le rouge non comme alerte – mais comme accueil.
5 · Reproduction vs. ruine
Historiquement, le plaisir féminin a été encadré comme reproductif, non récréatif. Le vampire s’en moque. Il veut votre cou, pas votre utérus. Le sexe est faim, pas moisson.
Cela reprogramme les circuits : dans la fiction vampirique, le désir féminin devient non-instrumental. Il existe parce qu’il existe. Le corps veut. L’âme déborde. La morsure chante.
Le vampire efface la frontière entre le corps et l’âme – car il ne demande pas quelle partie de vous il touche. Il touche les deux.
Voir aussi : Russo, Mary. The Female Grotesque (1994)
6 · Féminisme, érotisme et le regard qui saigne
On nous apprend à craindre le regard masculin. À juste titre. Mais l’érotisme féministe – en particulier vampirique – révèle quelque chose de plus subtil :
Que le regard peut être réclamé. Réécrit. Séduit, même.
Dans ces récits, l’héroïne n’est pas chassée. Elle chasse en retour. Ou elle accueille l’ombre – à ses conditions. Ce n’est pas de la soumission. C’est de l’autorat.
Ce qui rend ces récits chauds, ce n’est pas le danger. C’est l’agence. Elle choisit d’être défaite. Et le vampire, paradoxalement, est le seul à regarder assez attentivement pour voir ce qu’elle veut vraiment.
Il ne la domine pas. Il l’ouvre. Et parfois, oui – elle saigne. Mais elle l’a demandé.
À lire : Snitow, Ann. Powers of Desire: The Politics of Sexuality (1983)
7 · Dents queer : morts-vivants, impurs, incontrôlables
Le vampire est profondément queer. Il rejette la reproduction, l’héritage, la lignée. Son monde est fait d’intimités perverses.
De Carmilla à True Blood en passant par Interview with the Vampire, le désir vampirique n’a jamais été tenu en laisse par l’hétéronormativité. Et nous ? Nous n’avons pas détourné le regard. Nous avons regardé de plus près.
Car ces récits nous permettent d’exister dans nos contradictions. Humides. Sauvages. Blessé·es. En tant que corps vibrant de désir – et portant la théorie entre les dents.
8 · Les épouses : sœurs de la nuit
N’oublions pas les épouses de Dracula – sensuelles, dangereuses, souvent reléguées au rôle de figurantes. Mais si elles étaient des sœurs de désir ? Et si le château n’était pas son domaine, mais le leur ?
L’épouse vampire n’est pas une victime. Elle est partenaire. Elle nourrit, elle baise, elle vole. Ses lèvres sont rouges pour une raison.
9 · Ce que le vampire fait de nous
Le vampire n’offre ni mariage, ni sécurité, ni enfants. Il propose quelque chose de plus obscène – et plus honnête : nous voir, dans notre impureté.
Il prend la part que nous cachons – et la chérit.
Aimer le vampire, c’est accepter de ne pas être toujours rangé·e. Reconnaître que notre désir peut mordre. Que notre plaisir n’est pas toujours poli. Que le sang n’est pas que mort – il est vie. Que l’humidité n’est pas honteuse – mais sacrée.
Que notre gorge, lorsqu’elle se tend, n’est pas faiblesse. C’est une invitation.
Que notre humidité, quand elle déborde, n’est pas excès. C’est la vérité.
C’est ça, la littérature.
C’est ça, le féminisme.
C’est ça, le sang dans l’histoire.
Bibliothèque / Lectures complémentaires :
Hurley, Kelly. The Gothic Body (1996)
Auerbach, Nina. Our Vampires, Ourselves (1995)
Creed, Barbara. The Monstrous-Feminine (1993)
Halberstam, Jack. Skin Shows (1995)
Weiss, Andrea. Vampires and Violets (1992)
Williamson, Milly. The Lure of the Vampire (2005)
Snitow, Ann. Powers of Desire (1983)
Russo, Mary. The Female Grotesque (1994)
Spooner, Catherine. Contemporary Gothic (2006)
Mulvey, Laura. Visual Pleasure and Narrative Cinema (1975)
Noyau sucré & Tempête, ce n’est pas des réponses faciles. Ce sont des mots qui appuient sur les paradoxes—et y restent.
À bientôt. Apporte ta tempête.
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